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Menschenwürde []

Menschenwürde

A: karāmat al-’insān. – E: human dignity. – F: dignité humaine. – R: čelovečeskoe dostoinstvo. – S: dignidad humana. – C: rén de zūnyán 人的尊严

Hans-Ernst Schiller

HKWM 9/I, 2018, Spalten 553-572

M ist abzugrenzen von bes. Arten der Würde, die auf Alter, Amt oder Leistung zurückgehen. Sie ist zunächst ein normativer Begriff, eine Forderung: M reklamiert Achtung für jede und jeden. Als moralischer Begriff fordert er vom Einzelnen, im Anderen die gleiche Zugehörigkeit zur menschlichen Gattung zu sehen, den gleichen Anspruch auf Selbstbestimmung, auf Macht über den eigenen Leib, auf Bestimmung über die eigenen Taten, soweit sie mit den Grundsätzen einer universalistischen Moral übereinstimmen. Als rechtlicher Begriff soll die Norm der M vor Erniedrigung und Demütigung durch Ausschluss aus der Menschheit schützen. M ist im Recht der bürgerlichen Gesellschaft eine Auffangstellung, die (in einigen Verfassungen wie der deutschen über das Sozialstaatspostulat) ein Minimum an Teilhabe sichern und die Ausgrenzung von Armen oder Minderheiten verhindern soll. Sie regiert die Interpretation der Grundrechte, bes. in Fragen der Abwägung und Beschränkung. M ist darüber hinaus ein sozialkonstruktiver, utopischer Zielbegriff. Er fordert dazu auf, gesellschaftliche Bedingungen herzustellen, in denen die Entfaltung der menschlichen Fähigkeiten und Kräfte für alle möglich ist. M verwirklicht sich nicht in gesellschaftlicher Isolation, sondern, mit Marx gesprochen, in einem »Verein freier Menschen« (K I, 23/92).

Die subjektive Dimension der Würde ist die Selbstachtung, das Bewusstsein des eigenen Würdeanspruchs und seine Darstellung in Haltung und Tun. Sie besteht in der Gewissheit, dass Taten und Erdulden in Übereinstimmung mit den Forderungen stehen, die sich aus der Zugehörigkeit zur Menschheit ergeben. Wie man des Anspruchs auf eine menschenwürdige Behandlung durch andere nicht verlustig gehen kann, so gibt es keinen rationalen Grund, die Selbstachtung dauerhaft zu verlieren. Selbstachtung meint die elementare Gewissheit, über seinen Leib und sein Handeln selbst bestimmen zu können. Zum Bewusstsein der M gehört die Überzeugung, dass wir alle den gleichen Ursprung haben und das gleiche »Recht zu sein und zu wirken« (Spinoza 1670, Kap. 20; 1965, 352). Wer sich selbst achtet, erniedrigt sich nicht um eigener Vorteile willen. Selbstachtung ist rebellisch, hat »Stiefel im Gesicht nicht gern« (Brecht, Einheitsfrontlied); sie kann sich zum Wir erweitern und zum kollektiven Widerstand werden. Sie wird – angesichts der säkularen Verschwendung der Reichtümer in den Händen Weniger – auch durch bestimmte Arten von Arbeiten und durch die zermürbende Sorge um das tägliche Brot untergraben.

Der Grund für den normativen Begriff der M, die objektive Dimension, liegt in der Tatsache, dass Menschen typischerweise mit Moralbegriffen leben; sie haben ein Wissen von Gut und Böse. Solche Menschen sind ›Personen‹, sie haben ein Bewusstsein der Gattung, ihre Tätigkeit ist frei und bewusst (vgl. Marx, Ms 44, 40/515f). Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt (Art. 1 der UN-Deklaration von 1948), d.h. sie repräsentieren ein Allgemeines, sie haben das Bewusstsein von praktischen Regeln und Begriffe von Zwecken, weshalb sie frei von der »Herrschaft des unmittelbaren physischen Bedürfnisses« (40/517) produzieren und handeln können. In dieser Fähigkeit zur Verwirklichung des Allgemeinen liegt der Grund für jene Achtung, die Menschen, allen Menschen, aber auch nur ihnen zukommt. Kein Individuum kann personale Eigenschaften wie Selbstbewusstsein, sprachliche Kommunikation und praktische Vernunft entwickeln, ohne in einem Zusammenhang zu stehen, der die biologischen und sozialen Voraussetzungen menschlichen Lebens reproduziert. Deshalb strahlt der Anspruch auf Achtung, die Personen beanspruchen können, auf alle Formen menschlichen Lebens aus: es darf nicht instrumentalisiert werden. Deshalb ist der Anspruch auf Achtung auch nicht verlierbar: weder aus medizinischen noch aus moralischen Gründen. Auch dem Verbrecher oder demjenigen, der es an Selbstachtung fehlen lässt, muss man im Wissen um seine besseren Möglichkeiten begegnen. Auch im Wachkoma-Patienten oder im Dementen muss man die Person ehren, die er oder sie gewesen ist.

Anerkennung, Antipsychiatrie, Arbeit, Aufklärung, Ausbeutung, Bedürfnis, Befreiung, Bewusstsein, Entfremdung, Ethik, Eugenik, feministische Ethikdiskussion, Folter, Freiheit, Gattungswesen, Geburtenkontrolle, Gentechnologie, gesund/krank, Gewalt, Gewissen, Gleichheit, Glück, Grundrechte, Grundsicherung, Humanismus, Ideal, Ideologiekritik, Independent Living, Individuum, Kantianismus, kategorischer Imperativ, Klonen, Kritik, Lachen, Lebensweise/Lebensbedingungen, Lüge, Macht, Menschenbild, Menschenrechte, Menschheit, Mensch-Natur-Verhältnis, Mindestlohn, Moral, Normen, Notwendigkeit, Rationalität, Recht, Rechtsstaat, Rechtssubjekt, reproduktive Rechte, Selbstbestimmung, Selbstzweck, Sozialdarwinismus, soziale Sicherheit, Staatsmacht, Sterben, Strafe, Suizid, Tierrechte, Todesstrafe, Verantwortung, Verbrechen, Verdinglichung, Vergewaltigung, Vernunft, Vernunftkritik, Wesen des Menschen, Wille, Würde, Zweck

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