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Mariateguismus []

Mariateguismus

A: maḏhab māriyātīǧī. – E: Mariateguism. – F: mariateguisme. – R: mariategizm. – S: mariateguismo. – C: Mǎlǐyàtèjí zhǔyì 马里亚特吉主义

Eleonore von Oertzen, Red.

HKWM 8/II, 2015, Spalten 1742-1747

José Carlos Mariátegui (1894-1930), »peruanischer Marxist, Journalist und in der Arbeiterbewegung seiner Zeit wirkungsvoll engagierter Intellektueller« (Füssel 1986, 7), legte mit seinem Hauptwerk, den Sieben Versuchen, eine die spezifischen ökonomischen, politischen und kulturellen Verhältnisse seines Landes integrierende Analyse vor. Indem er die in Europa geschaffenen Denkmittel des Marxismus nutzte, um eben »die peruanische Wirklichkeit zu verstehen«, beging er ebenso eine »geschichtemachende Ketzerei« (Haug 1986, 308) wie Lenin, der gegen das ökonomistische Dogma der II. Internationale die Oktoberrevolution gemacht und den Marxismus damit als die »konkrete Analyse einer konkreten Situation« (LW 31, 154) praktiziert hatte. Mariáteguis Ketzerei, die ihn mit dem nachleninschen Leninismus in Konflikt brachte und in der auf Stalin eingeschworenen III. Internationale auf den Verdammungsnamen ›M‹ getauft wurde, bestand darin, dass er den »Sozialismus in Lateinamerika« als »indoamerikanischen Sozialismus [socialismo indoamericano] lebendig werden lassen« wollte (Mariátegui, OC 13, 249).

Eine Generation später ging von dieser Analyse und der ihr zugrundeliegenden Haltung eine entscheidende »Wirkung auf die Theologie der Befreiung, insbesondere ihren ›Begründer‹, den Peruaner Gustavo Gutiérrez« aus, für den Mariáteguis Auffassung ausschlaggebend wurde, »dass Geschichte zu denken, Geschichte zu machen heißt« (Füssel 1986, 11). Doch erst seit den 1980er Jahren ist es in Lateinamerika üblich geworden, von ›M‹ im positiven Sinne zu sprechen. In Bolivien, das sich unter der Präsidentschaft von Evo Morales 2006 zu einem »Estado plurinacional« umgegründet hat, in dem erstmals die indigenen Völker Sitz und Stimme haben, ist Mariátegui ein lebendiger Bezugspunkt. Als Boliviens Vizepräsident, Álvaro García Linera, die Ehrendoktorwürde der chilenischen Universidad de Arte y Ciencias Sociales für seinen mit der »akademischen Arbeit verbundenen unermüdlichen politisch-sozialen Kampf für die indigenen Völker« verliehen wurde, geschah dies unter Bezugnahme auf dessen »allein […] mit Mariátegui vergleichbare intellektuelle und moralische Haltung« (25.3.2014, www). Ähnlich wird in Venezuela die Bresche, die die bolivarianische Bewegung für die Interessen der Einfachen öffnen konnte, mit Mariáteguis Konzept des indoamerikanischen Sozialismus in Zusammenhang gebracht. Bei einer Ehrung für den 2009 gestorbenen Luis Villafaña (»El Negro«) sagte Roland Denis, ehemals Planungsminister unter Hugo Chávez: »Indem ›El Negro‹ auf Mariátegui trifft, entzündet sich ein kleines Licht, und es kommt eine Debatte in Gang; sie verändert grundlegend die Prämisse des Subjekts – nicht mehr abstrakt die Arbeiterklasse, sondern das Volk mit seinen Ursprüngen und seinen Erinnerungen. Im konkreten Fall Mariáteguis sprechen wir von einem indoamerikanischen Sozialismus, zu dessen Hauptträger, vom Standpunkt marxistischen Denkens, der Indigena wird.« (Zit.n. Bolívar 2011)

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m/mariateguismus.txt · Zuletzt geändert: 2015/09/09 10:42 von christian     Nach oben
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