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Kapitalentwertung, -vernichtung []

Kapitalentwertung, -vernichtung

A: tabḥīs, ibādat arra’smāl. – E: depreciation, destruction of capital. – F: dévalorisation, destruction du capital. – R: deval’vacija, uničtoženie kapitala. – S: devalorisación, destrucción de capital. – C: ziben bianzhi, ziben huimie 资本贬值, 资本毁灭

Wolfgang Fritz Haug (I.), Mario Candeias, Michael Perelman (II.)

HKWM 7/I, 2008, Spalten 161-179

I. Die Analyse von Ke und Kv führt nicht nur ins innere Getriebe der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer Dynamik, sondern auch ins historische Drama von Konjunkturen, Krisen und Krieg. Ke und Kv sind katastrophisch und hinterrücks, doch nicht von außen, sondern aus dem ›normalen‹ Gang der Verwertung auf die Gesellschaft einwirkende Prozesse. In ihrer Zunahme kündigt sich für Marx die historische Grenze des Kapitalismus an: »Gewaltsame Vernichtung von Kapital, nicht durch ihm äußere Verhältnisse, sondern als Bedingung seiner Selbsterhaltung, ist die schlagendste Form, worin ihm advice gegeben wird, to be gone and to give room to a higher state of social production.« (…)

Entwertung begreift Marx als die unabtrennbare andere Seite der den technischen Fortschritt in ihren Dienst stellenden Verwertung des Kapitals. Darin kommt der Zeitsinn seiner Werttheorie zum Ausdruck, der jeden »Simultanism« verbietet, weil die Elemente des fungierenden Kapitals den zwischenzeitlichen Veränderungen der Wertrelationen unterworfen sind (vgl. Kliman 2007). Neben der Kv ist Ke zusammen mit ihrem Auslöser, der Höherentwicklung der Produktivkräfte und der damit eintretenden »Wertrevolution« (…) des konstanten Kapitals, die wichtigste dem tendenziellen Fall der Profitrate »entgegenwirkende Ursache« (…).

Wie Wert- und Gebrauchswertseite lassen sich auch Ke und Kv nur relativ voneinander unterscheiden. Bei einer Entwertung von 10% sind diese 10% vernichtet, wobei kontingente Umstände allerdings im Unterschied zur physischen Vernichtung zu einer Wiederaufwertung führen könnten. Vernichtung wäre dann jedenfalls die Totalentwertung und Entwertung die Teilvernichtung. Das Verhältnis jener beiden Seiten ist aber, wie schon die Möglichkeit einer Wiederaufwertung andeutet, das einer asymmetrischen Wechselwirkung. Auf der Gebrauchswertseite kann es keine Entwertung geben, wohl aber, neben physischer Korrosion, einen komparativen, also rein gesellschaftlich-ökonomischen (›moralischen‹) Gebrauchswertverlust, der sich auf der Wertseite als mehr oder weniger weitgehende Entwertung niederschlägt. Auf der Wertseite wiederum, wo die Entwertungen sich niederschlagen, kann es zu einer Form der Vernichtung kommen, der die Wertform ›Kapital‹ selbst zum Opfer fällt.

Kv ist nur einer der destruktiven Prozesse, die den Kapitalismus seit seiner Entstehung begleiten. Den Zerstörungen an Menschen, Naturbedingungen und produziertem Reichtum, die das Kapital im Zuge seiner »leidenschaftlichen Jagd auf den Wert« (…) und auf seinem Weg der »Akkumulation um der Akkumulation […] willen« (…) anrichtet, hat Marx einige der eindrucksvollsten Passagen seines Werks gewidmet. So das Kapitel über die Verbrechensgeschichte der »sog. ursprünglichen Akkumulation« (K I, Kap. 24). Zur gängigen Aussage, Kapital brauche v.a. Ruhe und Ordnung, zitiert er den englischen Gewerkschafter Thomas J. Dunning, der seinerseits auf einen Artikel des regierungsnahen Quarterly Review antwortet: »Kapital, sagt der Quarterly Reviewer, flieht Tumult und Streit und ist ängstlicher Natur. Das ist sehr wahr, aber doch nicht die ganze Wahrheit. Das Kapital hat einen horror vor Abwesenheit von Profit oder sehr kleinem Profit, wie die Natur vor der Leere. Mit entsprechendem Profit wird Kapital kühn. Zehn Prozent sicher, und man kann es überall anwenden; 20 Prozent, es wird lebhaft; 50 Prozent, positiv waghalsig; für 100 Prozent stampft es alle menschlichen Gesetze unter seinen Fuß; 300 Prozent, und es existiert kein Verbrechen, das es nicht riskiert, selbst auf Gefahr des Galgens. Wenn Tumult und Streit Profit bringen, wird es sie beide encouragieren. Beweis: Schmuggel und Sklavenhandel.« (1860; Zit. …, mit falscher, von den ersten beiden Auflagen von K I abweichender Zeichensetzung) Dies gilt nicht nur in der unmittelbaren Vor- und Frühgeschichte des Kapitalismus, sondern begleitet ihn als ständige Tendenz. In ›legaler‹ Form manifestiert sich die destruktive Potenz des Kapitals im »ununterbrochnen Opferfest der Arbeiterklasse, maßlosester Vergeudung der Arbeitskräfte und den Verheerungen gesellschaftlicher Anarchie« (…); überhaupt vermag die kapitalistische Produktionsweise »die Technik und Kombination des gesellschaftlichen Produktionsprozesses« nicht anders zu entwickeln, als »indem sie zugleich die Springquellen alles Reichtums untergräbt: die Erde und den Arbeiter« (…).

Die andere Seite der Medaille sind die Zerstörungen, die das Kapital nicht an seinem Anderen, Mensch und Natur, sondern an anderem Kapital anrichtet: »Je ein Kapitalist schlägt viele tot.« (…) Kraft »der immanenten Gesetze der kapitalistischen Produktion selbst« vernichtet das Kapital im Zuge seiner »Zentralisation« unzählige kapitalistische Existenzen (…), »deren Kapitale teils in die Hand des Siegers übergehn, teils untergehn« (…). Dies gilt erst recht für vor- oder kleinkapitalistische Produzenten: »Der zerstörende Einfluss dieser Zentralisation auf die Märkte der Welt«, schreibt Marx 1853, »enthüllt nur in gigantischem Ausmaß die immanenten organischen Gesetze der politischen Ökonomie, die heute in jedem zivilisierten Gemeinwesen wirksam sind.« (Über die künftigen Ergebnisse der britischen Herrschaft in Indien) Es werde einer großen sozialen Revolution bedürfen, welche »die Ergebnisse der bürgerlichen Epoche, den Weltmarkt und die modernen Produktivkräfte, gemeistert und sie der gemeinsamen Kontrolle der am weitesten fortgeschrittenen Völker unterworfen hat«, damit der menschliche Fortschritt aufhören kann, »jenem scheußlichen heidnischen Götzen [zu] gleichen, der den Nektar nur aus den Schädeln Erschlagener trinken wollte« (…).

Der breiten Öffentlichkeit gegenüber wird das ökonomische Prinzip des Kapitalismus gewöhnlich als ›Wirtschaften mit knappen Mitteln zur Befriedigung der gesellschaftlichen Bedürfnisse‹ mehr legitimiert als definiert. Genau gesehen ist diese Befriedigung, sofern sie tatsächlich – ebenso partiell wie selektiv – geschieht, allenfalls Nebenprodukt eines Prozesses, in dem das Kapital sich als Selbstzweck setzt. Denn »nicht Befriedigung der Bedürfnisse, sondern Produktion von Profit [ist] Zweck des Kapitals« (…), Triebkraft des Ganzen ist die »Plusmacherei« (…), aus deren Erfolg sich die weitere Akkumulation des Kapitals speist. Da »die gesunkne Profitrate und die Überproduktion von Kapital aus denselben Umständen entspringen« (…), schlägt sich dieses strukturelle Mehr über die gesellschaftlichen Bedürfnisse hinaus in Krisen nieder. Was bürgerlich »Marktbereinigung« heißt, ist Kv auf großer Stufenleiter, der periodisch ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums zum Opfer fällt.

Marx nimmt an, dass es sich bei »bloß fiktivem Kapital, Staatspapieren, Aktien etc.« anders als beim produktiven Kapital verhält, soweit ihre Entwertung »nicht zum Bankrutt des Staats und der Aktiengesellschaft treibt, soweit dadurch nicht überhaupt die Reproduktion gehemmt wird […], ist es bloß Übertragung des Reichtums von einer Hand in die andere und wird im ganzen günstig auf die Reproduktion wirken, sofern die Parvenüs, in deren Hand diese Aktien oder Papiere wohlfeil fallen, meist unternehmender sind als die alten Besitzer« (TM). Bei großen Einbrüchen dieser Art jedoch, wenn die Kreditkette reißt (…) und eine Finanzkrise ausbricht, so bei der 2007 losgetretenen Hypothekenkrise, ist die störende und partiell zerstörende Rückwirkung auf die ›Realökonomie‹ unvermeidlich.

Ke und Kv gehen dialektisch ineinander über in vielen Zwischenformen der Reichtumsvernichtung, zumal der »geplanten Obsoleszenz« (Packard 1962) die als »Vergeudungskapitalismus« beschrieben worden sind (Kozlik 1966) und wie der entfesselte »Konsumismus« den komplementären Gegenpol zum Krieg bilden. Der Krieg (wie bereits die Produktion für diesen) wirkt mit der geplanten Obsoleszenz der Güter zusammen in der Potenzierung der Naturzerstörung.

II. Die gewaltsame physische Vernichtung sowohl von Produktionsmitteln wie von potenziell ausbeutbaren Arbeitskräften in zwischenstaatlichen Kriegen oder Bürgerkriegen ist kein Spezifikum von Gesellschaften, in denen kapitalistische Produktionsweise herrscht; doch nur in letzteren nimmt sie die Form der Kv an. Für den jungen Engels haben liberale Freihandelsdoktrin und kapitalistische Expansion »ihr bestes getan […], um durch die Auflösung der Nationalitäten die Feindschaft zu verallgemeinern« (…). Die »Habsucht und der Krieg unter den Habsüchtigen«, als die auch der junge Marx die kapitalistische Konkurrenz sieht (Ms 44), übertragen sich in die Konkurrenz der Staaten und treiben zur gewaltsamen Eroberung fremder Märkte, Rohstoffe und Arbeitskräfte (…). An der Schwelle zum Ersten Weltkrieg sieht Luxemburg den Militarismus entsprechend »als Mittel des Konkurrenzkampfes der kapitalistischen Länder untereinander um Gebiete nicht-kapitalistischer Kultur« (…). Nach diesem Krieg, in dem »etwa 35% des Reichtums der Menschheit zerstört und vergeudet« worden sei, begreift Henryk Grossmann ihn v.a. als »Gebiet der unproduktiven Konsumtion«, auf dem »Werte verpulvert« werden (1929). Kv durch Kriege werfe die Wirtschaft auf eine »niedrigere Entwicklungsstufe zurück«; während sie die Akkumulation bestimmter Einzelkapitale fördere, werde die reale gesamtwirtschaftliche Akkumulation »verlangsamt« (…). Andererseits sieht er wie Luxemburg in den »Zerstörungen und Entwertungen des Krieges« ein »Mittel, den drohenden Zusammenbruch« in Folge von Überakkumulation »abzuschwächen, der Kapitalakkumulation frische Luft zu verschaffen« (…).

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