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k:korruption [2015/03/26 23:07]
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 Das Wort leitet sich ab von lat. //corrumpere// (verderben, verpfuschen; jmd. verführen, bestechen), das sich seinerseits von //rumpere// (brechen, zerreißen) herleitet. Wenn der ›Einbrecher‹ von außen kommt und mit [[g:Gewalt]] arbeitet, so arbeitet die K mit Objekten der Begierde, um innere Schranken zu zerbrechen. K entzündet sich mit der [[e:Energie]] von Chancen-, <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->- und Reichtumsgefällen an politischen, rechtlichen, moralischen, religiösen, sogar ästhetischen Grenzen. Unterscheiden lässt sich eine systemische oder strukturelle von einer intersubjektiven K. Wie man bei Bestechung als dem häufigsten Fall von K zwischen aktiver und passiver Bestechung unterscheidet, so auch bei intersubjektiver K. Als aktive K geht es ihr darum, fremden Willen dazu zu bringen, solche Grenzen zu verletzen oder solche Verletzung zu dulden. Letzteres wird passive K genannt, was verwischt, dass auch interessierte Untätigkeit als bewusste [[h:Handlung]] begriffen werden muss. Wo K an der Front gesellschaftlicher Antagonismen sich ereignet, kann es zur Frage des Standpunkts und damit der Parteilichkeit werden, was von jeweils einer der Gegenseiten als K definiert wird. Das Wort leitet sich ab von lat. //corrumpere// (verderben, verpfuschen; jmd. verführen, bestechen), das sich seinerseits von //rumpere// (brechen, zerreißen) herleitet. Wenn der ›Einbrecher‹ von außen kommt und mit [[g:Gewalt]] arbeitet, so arbeitet die K mit Objekten der Begierde, um innere Schranken zu zerbrechen. K entzündet sich mit der [[e:Energie]] von Chancen-, <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->- und Reichtumsgefällen an politischen, rechtlichen, moralischen, religiösen, sogar ästhetischen Grenzen. Unterscheiden lässt sich eine systemische oder strukturelle von einer intersubjektiven K. Wie man bei Bestechung als dem häufigsten Fall von K zwischen aktiver und passiver Bestechung unterscheidet, so auch bei intersubjektiver K. Als aktive K geht es ihr darum, fremden Willen dazu zu bringen, solche Grenzen zu verletzen oder solche Verletzung zu dulden. Letzteres wird passive K genannt, was verwischt, dass auch interessierte Untätigkeit als bewusste [[h:Handlung]] begriffen werden muss. Wo K an der Front gesellschaftlicher Antagonismen sich ereignet, kann es zur Frage des Standpunkts und damit der Parteilichkeit werden, was von jeweils einer der Gegenseiten als K definiert wird.
  
-Unter kapitalistischen Bedingungen weist die monetäre Bereicherungs-K neben der sich ums [[e:Einkommen]] drehenden Karriere-K allen anderen Formen ihren Platz zu. Sie konzentrieren sich an den Grenzen zwischen Staat (Politik) und <!--[-->[[m:Markt|Markt]]<!--]--> (Profitlogik) sowie zwischen konkurrierenden Profitinteressen. Ihre modernen Hauptwurzeln haben sie im Kapitalismus. Diesseits der spektakulären K-Fälle betreffen sie aber mehr oder weniger alle Individuen in ihrer [[h:Haltung]] und <!--[-->[[l:Lebensführung|Lebensführung]]<!--]-->. Um das vorzuführen, hat Brecht in den //Sieben Todsünden der [[k:Kleinbürger]]// sieben moralisch-kulturelle K.en der unter kapitalistischen Bedingungen nach sozialem Aufstieg Strebenden gestaltet. Und in einem Gedicht von 1935 schildert er die K derer, die Unrecht zwar nicht beschönigen, aber auch nicht kritisieren: »Um sein Brot nicht zu verlieren / In den Zeiten zunehmender Unterdrückung / Beschließt mancher, [...] / Zwar nichts zu enthüllen, aber / Auch nichts zu beschönigen. [...] Nicht ungnädig / Nehmen die Unterdrücker ihn auf, der da bereit ist / Sein Brot nicht zu verlieren. / Er geht nicht einher wie ein Bestochener / Da man ihm ja nichts gegeben, sondern / Nur nichts genommen hat.« (//An die Gleichgeschalteten//)+Unter kapitalistischen Bedingungen weist die monetäre Bereicherungs-K neben der sich ums [[e:Einkommen]] drehenden Karriere-K allen anderen Formen ihren Platz zu. Sie konzentrieren sich an den Grenzen zwischen Staat (Politik) und <!--[-->[[m:Markt|Markt]]<!--]--> (Profitlogik) sowie zwischen konkurrierenden Profitinteressen. Ihre modernen Hauptwurzeln haben sie im Kapitalismus. Diesseits der spektakulären K-Fälle betreffen sie aber mehr oder weniger alle Individuen in ihrer [[h:Haltung]] und <!--[-->[[l:Lebensführung|Lebensführung]]<!--]-->. Um das vorzuführen, hat Brecht in den //Sieben Todsünden der Kleinbürger// sieben moralisch-kulturelle K.en der unter kapitalistischen Bedingungen nach sozialem Aufstieg Strebenden gestaltet. Und in einem Gedicht von 1935 schildert er die K derer, die Unrecht zwar nicht beschönigen, aber auch nicht kritisieren: »Um sein Brot nicht zu verlieren / In den Zeiten zunehmender Unterdrückung / Beschließt mancher, [...] / Zwar nichts zu enthüllen, aber / Auch nichts zu beschönigen. [...] Nicht ungnädig / Nehmen die Unterdrücker ihn auf, der da bereit ist / Sein Brot nicht zu verlieren. / Er geht nicht einher wie ein Bestochener / Da man ihm ja nichts gegeben, sondern / Nur nichts genommen hat.« (//An die Gleichgeschalteten//)
  
 Im niedergehenden europäischen Staatssozialismus hat sich ein K-System herausgebildet, in dem unter der Dominanz der parasitären »konsumtiven K« die »produktive K« zur ökonomischen Notwendigkeit wurde, um den Produktionsprozess aufrechtzuerhalten (Haug 1989). Wo, wie v.a. in der VR China seit dem Kurswechsel unter Deng Xiaoping, eine KP die staatlichen [[k:Kommandohöhen]] monopolisiert, um das Land kapitalistisch nachholend zu modernisieren, verlagert sich das Kräftemessen zwischen politischem Allgemeinwillen und privatem Bereicherungsinteresse in die Staatspartei und taucht diese in den Augen der regierten Massen ins Licht der K schlechthin. Dieser durch Skandale genährte Eindruck überstrahlt dabei die Grundtatsache, dass sich der Kapitalismus vom Anbeginn der sog. ursprünglichen [[a:Akkumulation]] als die zum System gewordene K und als das Korrodierende jeder politisch-moralischen Ordnung präsentiert.  Im niedergehenden europäischen Staatssozialismus hat sich ein K-System herausgebildet, in dem unter der Dominanz der parasitären »konsumtiven K« die »produktive K« zur ökonomischen Notwendigkeit wurde, um den Produktionsprozess aufrechtzuerhalten (Haug 1989). Wo, wie v.a. in der VR China seit dem Kurswechsel unter Deng Xiaoping, eine KP die staatlichen [[k:Kommandohöhen]] monopolisiert, um das Land kapitalistisch nachholend zu modernisieren, verlagert sich das Kräftemessen zwischen politischem Allgemeinwillen und privatem Bereicherungsinteresse in die Staatspartei und taucht diese in den Augen der regierten Massen ins Licht der K schlechthin. Dieser durch Skandale genährte Eindruck überstrahlt dabei die Grundtatsache, dass sich der Kapitalismus vom Anbeginn der sog. ursprünglichen [[a:Akkumulation]] als die zum System gewordene K und als das Korrodierende jeder politisch-moralischen Ordnung präsentiert. 
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-➫ [[a:Apathie im befehlsadministrativen Sozialismus]],  [[a:Arbeiteraristokratie]],  [[b:Beamte]], [[b:Bürokratie]],  [[e:Emanzipation]],  [[e:Ethik]],  [[e:Ethik im Sozialismus]], [[e:ethisch-politisch]],  [[f:falsche Bedürfnisse]],  [[f:Finanzkapital]],  [[f:Funktionär]], [[g:Gewissen]],  [[h:Handel]],  [[h:Herrschaft]],  [[i:Imperialismus]],  [[i:innere Bourgeoisie]], [[i:Institution]],  [[i:Interesse]],  [[k:Klassenherrschaft]],  [[k:Klassenjustiz]], [[k:Klassenkampf]],  [[k:Kolonialismus]],  [[k:Kommandohöhen]],  [[k:Konsumismus]],  [[k:Kooptation]], Macht,  <!--[-->[[m:Mafia|Mafia]]<!--]-->,  Marktwirtschaft,  marxistische Ethik, Moral,  moralische Ökonomie,  Neoliberalismus,  neuer Mensch, Parteilichkeit,  Perestrojka,  privat/gesellschaftlich, privat/öffentlich,  Privatisierung,  Profit,  Schattenwirtschaft, Servilität,  Solidarität,  sozialistische Moral,  Staat,  System, Tuismus,  Verbrechen,  Warenästhetik,  Wirtschaftskriminalität +➫ [[a:Apathie im befehlsadministrativen Sozialismus]],  [[a:Arbeiteraristokratie]],  [[b:Beamte]], [[b:Bürokratie]],  [[e:Emanzipation]],  [[e:Ethik]],  [[e:Ethik im Sozialismus]], [[e:ethisch-politisch]],  [[f:falsche Bedürfnisse]],  [[f:Finanzkapital]],  [[f:Funktionär]], [[g:Gewissen]],  [[h:Handel]],  [[h:Herrschaft]],  [[i:Imperialismus]],  [[i:innere Bourgeoisie]], [[i:Institution]],  [[i:Interesse]],  [[k:Klassenherrschaft]],  [[k:Klassenjustiz]], [[k:Klassenkampf]],  [[k:Kolonialismus]],  [[k:Kommandohöhen]],  [[k:Konsumismus]],  [[k:Kooptation]], [[m:Macht]],  <!--[-->[[m:Mafia|Mafia]]<!--]-->,  [[m:Marktwirtschaft]],  Moral,  moralische Ökonomie,  Neoliberalismus,  neuer Mensch, Parteilichkeit,  Perestrojka,  privat/gesellschaftlich, privat/öffentlich,  Privatisierung,  Profit,  Schattenwirtschaft, Servilität,  Solidarität,  sozialistische Moral,  Staat,  System, Tuismus,  Verbrechen,  Warenästhetik,  Wirtschaftskriminalität 
    
  

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