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k:klasse_an_sich_fuer_sich [2013/03/26 16:02]
christian
k:klasse_an_sich_fuer_sich [2015/03/26 23:07] (aktuell)
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 Als soziale Klassen werden die großen Gruppen bezeichnet, in die sich [[g:Gesellschaft|Gesellschaften]] teilen und die sich nach ihren ökonomischen Stellungen und Lebenslagen, nach ihren inneren Handlungsdispositionen und ihren äußeren Handlungsmöglichkeiten differenzieren und ggf. einander entgegensetzen. Marx und Engels unterscheiden sie nach ihrer //Stellung// innerhalb einer historischen Produktionsweise und spezifischer [[h:Herrschaft]]sverhältnisse sowie nach ihrer //Praxis// im Feld gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen. ›Klasse‹ ist für sie zunächst ein heuristisches Konzept: Wie eine ›Klasse an sich‹ zu einer »Klasse für sich selbst« (...) bzw. vom Objekt zum Subjekt der [[g:Geschichte]] wird, ist nicht aus einer sozio-ökonomisch beschreibbaren Klassenstellung allein »abzuleiten«, sondern muss an den wirklichen historischen [[b:Bewegung|Bewegungen]] »studiert werden« (Engels an C.Schmidt). Gleichwohl werden Marx und Engels zwei verschiedene Doktrinen der Klassenentwicklung zugerechnet, von denen die erste die politische und die zweite die soziale Umwälzung der Gesellschaft stärker betont. Es handelt sich dabei um die Verfestigung historischer Diagnosen, die ursprünglich auf verschiedene Konstellationen und Phasen des [[k:Kapitalismus]] im 19. Jh. bezogen waren und sich nicht notwendig gegenseitig ausgeschlossen haben. Die erste Diagnose geht auf die spezifische Zuspitzung der Klassengegensätze im England der 1840er Jahre zurück: auf eine anhaltende Verschlechterung der Arbeits- und <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensbedingungen]]<!--]-->, sinkende Qualifikationsstandards, scheiternde Streik- und Wahlrechtsbewegungen und die Erwartung einer diese Ohnmacht beendenden gewaltsamen Revolution. Sie hat die Vorstellungen einer ›revolutionären‹ marxistischen Klassentheorie noch im 20. Jh. dominiert. – Die zweite Diagnose entstand gleichzeitig, wurde aber erst nach der gescheiterten Revolution von 1848, unterm Eindruck eines anhaltenden internationalen Wachstums der Produktivkräfte und der organisierten [[a:Arbeiterbewegung]], näher ausgearbeitet. Zusammengefasst ist sie in dem Theorem, dass sich schon innerhalb der kapitalistisch dominierten Ordnung der Widerspruch zwischen den institutionellen Produktionsverhältnissen und den über den Kapitalismus hinausweisenden ökonomischen Produktivkräften entwickle. Die [[a:Arbeiterklasse]] wird als die größte dieser Produktivkräfte und Ausgangsbasis einer institutionellen [[g:Gegenmacht]]bildung verstanden. Als soziale Klassen werden die großen Gruppen bezeichnet, in die sich [[g:Gesellschaft|Gesellschaften]] teilen und die sich nach ihren ökonomischen Stellungen und Lebenslagen, nach ihren inneren Handlungsdispositionen und ihren äußeren Handlungsmöglichkeiten differenzieren und ggf. einander entgegensetzen. Marx und Engels unterscheiden sie nach ihrer //Stellung// innerhalb einer historischen Produktionsweise und spezifischer [[h:Herrschaft]]sverhältnisse sowie nach ihrer //Praxis// im Feld gesellschaftlicher und politischer Auseinandersetzungen. ›Klasse‹ ist für sie zunächst ein heuristisches Konzept: Wie eine ›Klasse an sich‹ zu einer »Klasse für sich selbst« (...) bzw. vom Objekt zum Subjekt der [[g:Geschichte]] wird, ist nicht aus einer sozio-ökonomisch beschreibbaren Klassenstellung allein »abzuleiten«, sondern muss an den wirklichen historischen [[b:Bewegung|Bewegungen]] »studiert werden« (Engels an C.Schmidt). Gleichwohl werden Marx und Engels zwei verschiedene Doktrinen der Klassenentwicklung zugerechnet, von denen die erste die politische und die zweite die soziale Umwälzung der Gesellschaft stärker betont. Es handelt sich dabei um die Verfestigung historischer Diagnosen, die ursprünglich auf verschiedene Konstellationen und Phasen des [[k:Kapitalismus]] im 19. Jh. bezogen waren und sich nicht notwendig gegenseitig ausgeschlossen haben. Die erste Diagnose geht auf die spezifische Zuspitzung der Klassengegensätze im England der 1840er Jahre zurück: auf eine anhaltende Verschlechterung der Arbeits- und <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensbedingungen]]<!--]-->, sinkende Qualifikationsstandards, scheiternde Streik- und Wahlrechtsbewegungen und die Erwartung einer diese Ohnmacht beendenden gewaltsamen Revolution. Sie hat die Vorstellungen einer ›revolutionären‹ marxistischen Klassentheorie noch im 20. Jh. dominiert. – Die zweite Diagnose entstand gleichzeitig, wurde aber erst nach der gescheiterten Revolution von 1848, unterm Eindruck eines anhaltenden internationalen Wachstums der Produktivkräfte und der organisierten [[a:Arbeiterbewegung]], näher ausgearbeitet. Zusammengefasst ist sie in dem Theorem, dass sich schon innerhalb der kapitalistisch dominierten Ordnung der Widerspruch zwischen den institutionellen Produktionsverhältnissen und den über den Kapitalismus hinausweisenden ökonomischen Produktivkräften entwickle. Die [[a:Arbeiterklasse]] wird als die größte dieser Produktivkräfte und Ausgangsbasis einer institutionellen [[g:Gegenmacht]]bildung verstanden.
  
-Nach 1848 beobachteten Marx und Engels aufmerksam die Entstehung neuer Gegenmachtpotenziale in den fortgeschrittenen Ländern. Sie kritisierten die Verselbständigung des Staatsapparats in Frankreich und die Staatsgläubigkeit in der Arbeiterbewegung und unterstützten demgegenüber die Entstehung unabhängig von Staat und Bürgertum sich organisierender Kräfte in Gestalt genossenschaftlicher, gemeindlicher und föderativer Selbstverwaltung. Gleichzeitig beobachteten sie die v.a. von den [[f:Facharbeiter]]gewerkschaften erkämpften Verbesserungen im Arbeits- und Wahlrecht, der Lebens- und Arbeitsverhältnisse und forderten eine staatliche Arbeits-, Sozial-, Gesundheits- und [[b:Bildung]]spolitik zur Verbesserung der sozialen Lage. Diese Verbesserungen würden allerdings das Wachstum des [[e:Elend|Elends]] nur eindämmen, nicht aber die grundsätzliche »Unsicherheit der [[e:Existenz]]« (...) beenden, solange nicht auch die politische Macht übernommen sei. Beide Perspektiven zielen auf die Überwindung des Kapitalismus, deuten aber auf unterschiedliche mögliche historische Konstellationen und nationale Wege. Die Verfestigung einander ausschließender Doktrinen war eine Folge der Enthistorisierung ihres Klassenkonzepts. +Nach 1848 beobachteten Marx und Engels aufmerksam die Entstehung neuer Gegenmachtpotenziale in den fortgeschrittenen Ländern. Sie kritisierten die Verselbständigung des Staatsapparats in Frankreich und die Staatsgläubigkeit in der Arbeiterbewegung und unterstützten demgegenüber die Entstehung unabhängig von Staat und Bürgertum sich organisierender Kräfte in Gestalt genossenschaftlicher, gemeindlicher und föderativer Selbstverwaltung. Gleichzeitig beobachteten sie die v.a. von den [[f:Facharbeiter]]gewerkschaften erkämpften Verbesserungen im Arbeits- und Wahlrecht, der Lebens- und Arbeitsverhältnisse und forderten eine staatliche Arbeits-, Sozial-, Gesundheits- und [[b:Bildung]]spolitik zur Verbesserung der sozialen Lage. Diese Verbesserungen würden allerdings das Wachstum des [[e:Elend|Elends]] nur eindämmen, nicht aber die grundsätzliche »Unsicherheit der [[e:Existenz]]« (...) beenden, solange nicht auch die politische <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]--> übernommen sei. Beide Perspektiven zielen auf die Überwindung des Kapitalismus, deuten aber auf unterschiedliche mögliche historische Konstellationen und nationale Wege. Die Verfestigung einander ausschließender Doktrinen war eine Folge der Enthistorisierung ihres Klassenkonzepts. 
    
  
-➫ [[a:Anarchismus]], [[a:anschauender Materialismus]],  [[a:Arbeit]],  [[a:Arbeiteraristokratie]], [[a:Arbeiterbewegung]],  [[a:Arbeiterklasse]],  [[a:Arbeiterkontrolle]],  [[a:Arbeiterkultur]], [[a:Arbeiterselbstverwaltung]],  [[a:Arbeitsteilung]],  [[a:Arbeitszeit]], [[a:Arbeitszeitverkürzung]],  [[a:Assoziation]],  [[a:Aufstand]],  [[b:Bourgeoisie]], [[b:bürgerliche Revolution]],  [[c:Chartismus]],  [[d:Dorfgemeinschaft]],  [[e:Elend]], [[e:Empirie/Theorie]],  [[f:Formationstheorie]],  [[f:Frühsozialismus]],  [[g:Gegenmacht]], [[g:Genossenschaft]],  [[g:Gewerkschaften]],  [[g:gewerkschaftliche Kampfformen]], [[h:Habitus]],  [[h:Hegemonie]],  [[h:herrschende Klasse]],  [[i:Interesse]],  [[k:Kampf]], [[k:Klassenanalyse]],  [[k:Klassenbewusstsein]],  [[k:Klassenherrschaft]],  [[k:Klassenkampf]], [[k:Klassenkompromiss]],  [[k:Klassenlage]],  [[k:Kommunistisches Manifest]],  [[k:Konkurrenz]], [[k:Kooperation]],  <!--[-->[[k:Kritik der politischen Ökonomie|Kritik der politischen Ökonomie]]<!--]-->, [[k:Kulturstudien (Cultural Studies)]], <!--[-->[[l:Lassalleanismus|Lassalleanismus]]<!--]-->,  [[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensweise/Lebensbedingungen]],  Lohnarbeit, Lumpenproletariat,  Manufaktur,  Massen,  Milieu,  moralische Ökonomie, Organisation,  Pariser Kommune,  Polarisierungsthese,  Praxis, Prekariat,  Proletariat,  Proletarisierung,  Räte/Rätesystem, Rätekommunismus,  revolutionärer Syndikalismus,  Revolutionstheorie, Selbstorganisation,  Selbstverwaltung,  Solidarität,  Sozialstaat, Staat,  Streik,  Subjekt,  Verelendung,  Volkskultur (vorkapitalistische),  von außen,  vorkapitalistische Produktionsweisen,  vormarxistischer Sozialismus,  Vormärz, Widerspruch +➫ [[a:Anarchismus]], [[a:anschauender Materialismus]],  [[a:Arbeit]],  [[a:Arbeiteraristokratie]], [[a:Arbeiterbewegung]],  [[a:Arbeiterklasse]],  [[a:Arbeiterkontrolle]],  [[a:Arbeiterkultur]], [[a:Arbeiterselbstverwaltung]],  [[a:Arbeitsteilung]],  [[a:Arbeitszeit]], [[a:Arbeitszeitverkürzung]],  [[a:Assoziation]],  [[a:Aufstand]],  [[b:Bourgeoisie]], [[b:bürgerliche Revolution]],  [[c:Chartismus]],  [[d:Dorfgemeinschaft]],  [[e:Elend]], [[e:Empirie/Theorie]],  [[f:Formationstheorie]],  [[f:Frühsozialismus]],  [[g:Gegenmacht]], [[g:Genossenschaft]],  [[g:Gewerkschaften]],  [[g:gewerkschaftliche Kampfformen]], [[h:Habitus]],  [[h:Hegemonie]],  [[h:herrschende Klasse]],  [[i:Interesse]],  [[k:Kampf]], [[k:Klassenanalyse]],  [[k:Klassenbewusstsein]],  [[k:Klassenherrschaft]],  [[k:Klassenkampf]], [[k:Klassenkompromiss]],  [[k:Klassenlage]],  [[k:Kommunistisches Manifest]],  [[k:Konkurrenz]], [[k:Kooperation]],  <!--[-->[[k:Kritik der politischen Ökonomie|Kritik der politischen Ökonomie]]<!--]-->, [[k:Kulturstudien (Cultural Studies)]], <!--[-->[[l:Lassalleanismus|Lassalleanismus]]<!--]-->,  [[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensweise/Lebensbedingungen]],  <!--[-->[[l:Lohnarbeit|Lohnarbeit]]<!--]--><!--[-->[[l:Lumpenproletariat|Lumpenproletariat]]<!--]-->,  Manufaktur,  Massen,  Milieu,  moralische Ökonomie, Organisation,  Pariser Kommune,  Polarisierungsthese,  Praxis, Prekariat,  Proletariat,  Proletarisierung,  Räte/Rätesystem, Rätekommunismus,  revolutionärer Syndikalismus,  Revolutionstheorie, Selbstorganisation,  Selbstverwaltung,  Solidarität,  Sozialstaat, Staat,  Streik,  Subjekt,  Verelendung,  Volkskultur (vorkapitalistische),  von außen,  vorkapitalistische Produktionsweisen,  vormarxistischer Sozialismus,  Vormärz, Widerspruch 
    
  

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