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immaterielle Arbeit []

immaterielle Arbeit

A: al-‛amal al-lā-māddī. – E: immaterial labour/work. – F: travail immatériel. – R: nematerial’nyij trud. – S: trabajo inmaterial. – C: feiwuzhi de laodong 非物质的劳动

Wolfgang Fritz Haug

HKWM 6/I, 2004, Spalten 819-832

Der Ausdruck ›iA‹ ist von Henri Storch im frühen 19. Jh. im Anschluss an Jean-Baptiste Say und die französischen »idéologistes« geprägt worden. Es ging diesen Ökonomen um die Entschärfung von Adam Smiths Erkenntnis, dass »die Arbeit einiger der angesehensten Stände (orders) der Gesellschaft […] nicht wertbildend (unproductive of any value)« ist (Wealth of Nations). Marx, der in TM der Debatte um und v.a. gegen diese These breiten Raum gibt, zitiert Storchs Rede von der iA, übernimmt den Ausdruck jedoch nicht in seine Sprache, in der es um den »Zusammenhang zwischen der geistigen Produktion und der materiellen« auf Basis einer Analyse der »bestimmten Form der materiellen Produktion« und der aus dieser sich ergebenden »Gliederung der Gesellschaft« (…) geht.

Im Kontext neoliberaler Diskurse, speziell der ›New Economy‹ und der Rede von der ›Entmaterialisierung der Wirtschaft‹, hat der Ausdruck ›iA‹ am Ende des 20. Jh. einen zweiten Auftritt gehabt, dieses Mal mit Breitenwirkung und ausstrahlend auf die Linke. Genau genommen ist er ein Unbegriff mit allenfalls polemischer Funktion gegen die sedimentierten Arbeitsvorstellungen des Eisen- und Kohlezeitalters der Industrie oder die fordistische Prägung des Gegensatzes von ›geistiger‹ und ›körperlicher‹ Arbeit. »Natürlich ist es Unsinn, wenn von einer ›iA‹ die Rede ist. Die Arbeit ist immer materiell!« Antonio Negri, der so spricht (1996) und der die Geschichte des Begriffs und seiner Zurückweisung bei Marx nicht zu kennen scheint, wird – wie die anderen italienischen ›Postoperaisten‹ – nicht müde, ›iA‹ als Sammelname für alle Arbeit im Postfordismus und zur Anrufung eines neuen revolutionären Subjekts (der »Massenintellektuellen« als Nachfolger der »Massenarbeiter« des Fordismus) zu nutzen. Dabei wird der Arbeitsbegriff nicht nur über die Grenzen formeller gesellschaftlicher Arbeit ausgedehnt, sondern zudem auf alle möglichen intellektuellen, kommunikativen und emotionalen Tätigkeitsaspekte oder Produktdimensionen erstreckt, von der Finanzspekulation bis zum Kindergebären. Der Ausdruck fungiert hier nicht als (erkenntnistheoretisch oder ontologisch) analytischer Begriff, sondern als kommunistisch intendierter Mythos im sorelschen Sinn, als politische Losung, die eine neue proletarische Identifikation der vielfach auseinanderdividierten Arbeitenden im ›Postfordismus‹ anzielt, phrasenhaft schillernd, um allen etwas zu bieten.

In erkenntnistheoretischer Sicht wäre ›immateriell‹ allein das ›Innere‹ des Bewusstseins, nicht einmal seine Äußerung. Als iA ließe sich reine Denk- oder Vorstellungstätigkeit fassen. Doch das ist vom iA-Diskurs nicht gemeint. Auch wenn er daher vulgärphilosophisch und seine Mobilisierungsintention (»Immaterielle Arbeiter der Welt, vereinigt euch!«; Immaterial Workers 2000) illusionär ist, zieht er eine gewisse Evidenz aus der Verbreitung des Computers als »universelles« und »zentrales Werkzeug, das alle Tätigkeiten passieren« (Hardt/Negri 2002), und aus dem dadurch angestoßenen Wandel von Arbeit und Arbeitsteilung sowie der Geschlechterverhältnisse. Daher ist eine Dialektik des Scheins angesagt, der seinem Gebrauch anhaftet – wie überhaupt den Diskursen von der ›postindustriellen‹ »›Entmaterialisierung‹ des Geldes und des Besitzes«, wie es in einer Rifkin-Rezension heißt (Deckstein 2000).

Da der postoperaistische Sprachgebrauch an Marx anknüpft (wenngleich dessen Kritik an Storchs Konzept iA ignorierend) und unter Berufung auf Marx sowie im Namen der iA zugleich dessen Werttheorie für erledigt erklärt (Negri/Hardt 1997), muss der marxsche Sprachgebrauch, in dem die Ausdrücke ›materiell/immateriell‹ mehrdeutig werden, in die Untersuchung einbezogen werden. Um Äquivokationen zu vermeiden und den bei Marx seltenen Gebrauch des Ausdrucks ›immateriell‹ zu klären, ist es notwendig, die Bandbreite deutlich zu machen, in der bei ihm komplementär von ›materiell‹ die Rede ist.

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