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Grundwiderspruch, Haupt-/Nebenwiderspruch []

Grundwiderspruch, Haupt-/Nebenwiderspruch

A: at-tanāquḍ al-asāsī, ar-ra’īsī/at-tānawī. – E: basic contradiction, chief/secondary contradiction. – F: contradiction fondamentale, principale/secondaire. – R: osnovnoe protivorečie, glavnoe/pobočnoe protivorečie. – S: contradicción básica, principal/secundaria. – C: jiben maodun, zhuyao- / feizhuyao(ciyao) maodun

Wolfgang Fritz Haug, Isabel Monal (KG)

HKWM 5, 2001, Spalten 1040-1050

Für Hegel ist der Widerspruch »die Wurzel aller Bewegung und Lebendigkeit« (); in ihm »reflektiert sich der Gegensatz in sich selbst und geht in seinen Grund zurück« (…). Marx ortet den ›Grund‹, aus dem sich »alle Widersprüche der bürgerlichen Produktion ergeben, wie die Grenze, an der es über sich selbst hinaustreibt«, in »der Grundvoraussetzung des Verhältnisses« von Lohnarbeit und Kapital (…), also dem, was er in Vorw 59 »ökonomische Struktur« nennt, d.h. die Produktionsweise als Zusammenhang von Produktivkräften und (antagonistischen) Produktionsverhältnissen (…). Der Widerspruchsdiskurs wird somit aus der dialektischen Logik, die alle Wirklichkeit in sich zu beschließen beansprucht, in die Kapitalismustheorie versetzt. Dabei ist Marx jedoch die schematische Formelhaftigkeit, die v.a. den ML geprägt hat, fremd. Wenn er in den Gr vom »Gw« spricht, »der im Tauschwert und der ihm entsprechenden Produktionsweise der Gesellschaft enthalten ist« (…), so wird der Gw an dem Phänomen abgelesen, dass in der Geldware Gold »als der Inkarnation des reinen Tauschwerts die Erinnerung an den Gebrauchswert im Unterschied von demselben ganz ausgelöscht ist« (…). Von einem Gw als der Latenz im Verhältnis zu einem manifesten Widerspruch zu reden, richtet sich schon hier, wo der Begriff bei Marx zuerst auftaucht, gegen kapitalismuskritische Politiken, die bloß »Konsequenzen, deren Ursachen bestehn bleiben«, angreifen; speziell geht es um »revolutionäre Operationen« mit dem Geld, der »frappantesten, widerspruchsvollsten und härtesten Erscheinung, worin das System handgreiflich gegenübertritt«; solche Eingriffe führen bloß zur »Störung des produktiven Prozesses, die der solide Grund dann auch die Kraft besitzt, durch mehr oder minder gewaltsame Reaktion als bloße vorübergehende Störungen zu setzen und zu beherrschen« (…).

Von Plechanow zuerst lehrhaft (wenn auch widersprüchlich) fixiert, diente die Kategorie Gw in der Folge zur Artikulation des Gegensatzes zwischen revolutionärer und reformistischer Strategie. Wenn es ersterer um Aufhebung des Gw zu tun ist, so letzterer um Abmilderung seiner Folgen. – Der Begriff hat zu reduktionistischen Anwendungen verführt, die alle erdenklichen Konflikte auf ›den Gw‹ zurückführen. Um dem zu entgehen, hat man versucht, quer zur ›vertikalen‹ Unterscheidung von Gw und abgeleiteten Widersprüchen eine ›horizontale‹ Hierarchisierung in Haupt- und Nw.e durchzuführen. Während die vertikale Unterscheidung strukturell angelegt ist, setzt die horizontale ›konjunkturell‹ an, indem sie danach fragt, welcher Widerspruch in einer bestimmten Konstellation dominant ist. Je nach Antwort folgen andere politische Entscheidungen. Auch diese v.a. von Mao Zedong ausgearbeitete Unterscheidung hat kontraproduktive Folgen gehabt, indem etwa die Frauenunterdrückung zum Nw deklariert worden ist. Die gedankliche Schwäche solcher Konstruktionen zeigt sich auch daran, dass ›Widerspruch‹ synonym mit ›Konflikt‹, ›Gegensatz‹ oder ›Antagonismus‹ benutzt wird. So erklärte der ML den internationalen Gegensatz zwischen Kapitalismus und Sozialismus zum »Gw unserer Epoche« (…). Ferner wurden Gw und Hw miteinander verwechselt bzw. synonym benutzt und wurde (im Sog einer Formulierung von Engels) der kapitalistische Formbegriff einseitig auf die Aneignungsseite gelegt, während die gesellschaftliche Stufenleiter der Produktion mit ihrem unmittelbar »gesellschaftlichen Charakter« verwechselt wurde, als wären die Verhältnisse in der Produktion nicht kapitalistische (…).

Zur ›Grammatik‹ des Begriffs ›Gw‹ lässt sich festhalten: Sinnvoll ist er nur in Bezug auf ein prozessierendes Ganzes, bei dem eine funktionale Antinomie vorliegt. So denkt Engels (ohne das Wort ›Gw‹ zu verwenden), wenn er von der Wirtschaftskrise sagt, in ihr stehe die Gesellschaft »hülflos vor dem absurden Widerspruch, dass die Produzenten nichts zu konsumieren haben, weil es an Konsumenten fehlt« (…). Der Gw ist ein systemischer; in ihm ist der Klassenantagonismus kodiert: »Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion und kapitalistischer Aneignung tritt an den Tag als Gegensatz von Proletariat und Bourgeoisie(…) Und er »reproduziert sich als Gegensatz zwischen der Organisation der Produktion in der einzelnen Fabrik und der Anarchie der Produktion in der ganzen Gesellschaft« (…). Mit einem Bild, das Walter Benjamin in seiner Kritik der Fortschrittsideologie wieder aufgreifen wird, beschreibt Engels als Folge des Gw, dass Produktivkräfte sowie das »System der Güterverteilung in brennenden Widerspruch geraten sind mit jener Produktionsweise selbst«, was eine unbeherrschbare Dynamisierung hervorbringt dergestalt, dass »die Gesellschaft dem Ruin entgegenrennt wie eine Lokomotive, deren eingeklemmte Abzugsklappe der Maschinist zu schwach ist zu öffnen« (…).

Aneignung, Antagonismus, Apathie im befehlsadministrativen Sozialismus, Armut/Reichtum, Artikulation/Gliederung, Basis, chinesische Revolution, Determinismus, Dialektik, Fortschritt, Gegensatz, Grenzen der Dialektik, Hegelianismus, Imperialismus, Klassenanalyse, Krise, Krisentheorien, Lehrbuchmarxismus, Maoismus, Marxismus-Leninismus, nationale Befreiung, Negation der Negation, Ökonomismus, passive Revolution, Produktionsverhältnisse, Produktionsweise, Produktivkräfte/Produktionsverhältnisse, Reduktionismus, relative Autonomie, Scholastik, strukturelle Kausalität, Überdeterminierung, Ursprung, Verkehrsverhältnisse, Widerspruch

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