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Gefühle, Emotionen []

Gefühle, Emotionen

A: maša‛ir. – E: feelings, emotions. – F: sentiments, émotions. – R: čuvstva. – S: sentimientos, emociones. – C: ganjue, ganqing

Ute Osterkamp

HKWM 4, 1999, Spalten 1329-1347

G werden im historischen Materialismus nicht als selbständige Affekte behandelt, sondern im Kontext der Bedingungen, die sie hervorrufen, der Handlungen und Beziehungen, die sie begleiten. Entsprechend kritisieren Marx und Engels die herrschende Tendenz, G unabhängig von der konkreten Realität als Ausdruck individueller Wesensart zu sehen. Engels macht sich über die »sentimentalen« Bourgeois (…) lustig, die sich über die proletarische »Zügellosigkeit der Genusssucht«, »Mangel an Vorhersicht und an Fügsamkeit in die soziale Ordnung« entsetzen (…), »nachdem sie selbst die Ursachen derselben in Bewegung gesetzt« haben (…) – eine Erkenntnis, die sie zur Erhaltung ihrer Machtposition um jeden Preis verdrängen müssen. In der Empörung gegen die Ausbeutung entziffert Engels den Anspruch der Arbeitenden, »dass sie, als Menschen, nicht nach den Verhältnissen sich zu schicken, sondern dass die Verhältnisse sich nach ihnen, den Menschen, zu richten haben« (…). Anders wären sie in »Gedanken, G.n und Willensäußerungen […] Sklave der Bourgeoisie« (…). In dem Maße jedoch, in dem die Empörung ihre »Wildheit und Rohheit« (…) verliert, d.h. sich nicht in spontaner Auflehnung gegen die unmittelbar erfahrenen Einschränkungen erschöpft, sondern dazu führt, sich mit anderen zusammenzuschließen, um mit ihren Bedingungen jede Form von Unterdrückung zu überwinden, sieht Engels sie an Effektivität gewinnen. Der Kampf gegen Unterdrückung bedeutet, wie es im Manifest heißt, immer auch die – unter den gegebenen Bedingungen nur partiell und zeitweilig mögliche – Überwindung der Konkurrenz der Arbeitenden untereinander, die eine Bedingung ihrer Ohnmacht und die stärkste Waffe der Herrschenden gegen sie ist (…).

Nicht nur die Bourgeois, auch die »kritisch-utopischen« bzw. »doktrinären« Sozialisten neigen dazu, über der Kritik an der ›emotionalen‹ Form der Empörung deren subjektive Notwendigkeit aus dem Blick zu verlieren. So wirft Engels den vom Fabianismus beeinflussten englischen Sozialisten vor: »Sie begreifen zwar, weshalb der Arbeiter gegen den Bourgeois aufgebracht ist, sehen aber diese Erbitterung, die doch das einzige Mittel ist, die Arbeiter weiterzuführen, für unfruchtbar an und predigen eine […] noch viel fruchtlosere Philanthropie und allgemeine Liebe«, wobei sie nur »die psychologische Entwicklung […], die Entwicklung des abstrakten Menschen« (Lage) kennen. Der doktrinäre Sozialismus idealisiert, so Marx in Klassenkämpfe, im Grunde nur die jetzige Gesellschaft, indem er ein schattenloses Bild von ihr als Ideal gegen die Wirklichkeit stellt und »den revolutionären Kampf der Klassen mit seinen Notwendigkeiten durch kleine Kunststücke oder große Sentimentalitäten« (…) wegphantasiert. Er setzt, wie Marx und Engels im Manifest feststellen, an die »Stelle der allmählich vor sich gehenden Organisation des Proletariats zur Klasse eine eigens ausgeheckte Organisation der Gesellschaft« (…), die allen Gesellschaftsmitgliedern die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen verspreche und die Aufforderung an das Proletariat enthalte, dass es »in der jetzigen Gesellschaft stehen bleibe, aber seine gehässigen Vorstellungen von derselben abstreife« (…).

Angst/Furcht, Bedeutung, Bewußtheit, Bewußtsein, Demokratische Psychiatrie, Disziplin, Einfühlung, Erinnerungsarbeit, Ethik, Exklusion, Fabianismus, Freude, funktional-historische Analyse, Glück, Haltung, Herrschaft, Körper, Kritische Psychologie, Kulturhistorische Schule, Moral, Natur, Persönlichkeit, Selbstveränderung, Sinn, Subjekt, Subjektwissenschaft, Unterdrückung, Verdrängung, Vernunft

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g/gefuehle_emotionen.txt · Zuletzt geändert: 2015/05/14 17:13 von korrektur     Nach oben
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