Warning: strpos(): Empty needle in /homepages/7/d84648464/htdocs/e_inkritpedia/e_maincode/lib/plugins/translation2/action.php on line 53

Warning: Cannot modify header information - headers already sent by (output started at /homepages/7/d84648464/htdocs/e_inkritpedia/e_maincode/lib/plugins/translation2/action.php:53) in /homepages/7/d84648464/htdocs/e_inkritpedia/e_maincode/inc/actions.php on line 187
Handlungsfähigkeit []

Handlungsfähigkeit

A: al-qudra ‛alā at-taṣarruf. – E: action potence, agency. – F: potence d’agir. – R: sposobnost’ dejstvovat’, deesposobnost’. – S: potencia de actuar. – C: xingwei nengli

Rinse Reeling Brouwer (I.), Morus Markard (II.)

HKWM 5, 2001, Spalten 1169-1181

I. Spinozas Begriff der potentia agendi mit ›H‹ zu übersetzen, erinnert den Marxismus an die Vorgeschichte eines emanzipatorischen Verständnisses des Handelns, das sich selbst nicht absolut setzt, doch den eigenen Kräftezuwachs inmitten einer komplexen Vielfalt von Kräfteverhältnissen zu denken vermag. Zugleich bietet sie die Gelegenheit, im Spinozismus wie in einem Spiegel mögliche Schwächen des eigenen Handlungsbegriffs zu reflektieren.

Spinozas Substanz, schreibt Marx in der HF, sei als Antipode des fichteschen Selbstbewusstseins »die metaphysisch travestierte Natur in der Trennung vom Menschen« (…). Dieses Diktum (ab Ende der 1850er Jahre wird Marx ganz anders reden) trifft nur insoweit zu, als für Spinoza alle Dinge in der einen Substanz nach einer eigenen Logik und Dynamik – gleichsam in einer Vernetzung, in einem Kraftfeld – existieren und sich (de)potenzieren, ohne dass ein »Selbstbewusstsein« sich darüber erheben kann. Schon Gott kommt keine potentia absoluta oder extraordinaria zu, welche die Erkenntnis seiner schon bekannten oder noch bekannt werdenden Gesetze unterminieren könnte; seine potentia ist an seine essentia (Ethik I, prop. 34) gebunden; er hat keinen freien Willen, sondern handelt allein nach den Gesetzen seiner (d.h. der) Natur (I, prop. 17). Und ebenso »ist die potentia, mit der die Einzeldinge, und folglich auch der Mensch, ihr Sein erhalten [denn die potentia der Dinge ist ihr conatus, ihr »Bestreben«, III, prop. 7, dem.], die potentia Gottes oder der Natur selbst, sofern er durch das wirkliche menschliche Wesen (essentia actualis) ausgelegt werden kann; also ist die potentia des Menschen, sofern es durch dessen wirkliches Wesen ausgelegt wird, ein Teil der unendlichen potentia, d.h. essentia Gottes oder der Natur« (IV, prop. 4, dem.). »Der Mensch«, wird es bei Marx heißen, »kann in seiner Produktion nur verfahren wie die Natur selbst« (…). Er verfügt nach Spinoza nicht über eigene Substanzialität (II, prop. 10); ebensowenig verfügt sein Verstand über eine absolute Freiheit wie bei Descartes oder eine absolute Selbstbeherrschung wie in der Stoa, er hat keine potestatem absolutam in suas Passiones (III, praef.; V, praef.), da er immer durch eine unendliche Reihe von Kausalitäten determiniert ist.

II. Kritische Psychologie. – Das in Alltag und Politik gebräuchliche Wort H hat in der akademischen Psychologie keine systematische Ausarbeitung erfahren, keinen begrifflichen Status erhalten, obwohl das Lexikon der Psychologie (2000) über 30 andere Wortverbindungen enthält, die mit »Handlung« beginnen (von »Handlungsanreiz« bis »Handlungsziele«). Man kann dies als Symptom für den psychologischfachwissenschaftlichen Verzicht auf eine elementare Kategorie des subjektiv erfahrenen und praktisch (re)produzierten Mensch-Welt-Zusammenhangs zugunsten disparater, Alltagsproblemen tendenziell enthobener Einzelkonzepte sehen. Demgegenüber ist in der Kritischen Psychologie, die das Ziel einer paradigmatischen Fundierung emanzipatorischer Psychologie verfolgt (Holzkamp 1970 u. 1983), H der Begriff, mit dem die (lebenspraktische) Vermittlung der individuellen mit der gesellschaftlichen Reproduktion gefasst wird: »personale H als gesamtgesellschaftlich vermittelte Verfügung über die eigenen Lebensbedingungen« (1983). Psychologische Konzepte sind demgemäß als »Instanzen, Dimensionen, Aspekte, Niveaus individueller Befindlichkeit/H« zu spezifizieren (…). Terminologisch setzt Klaus Holzkamp (1973; 1983) den H-Begriff vom Tätigkeitskonzept im Sinne Leontjews ab, weil dieses auch vormenschliche Aktivitäten umfasst.

Angst/Furcht, anschauender Materialismus, Arbeit, Bedeutung, Bedürfnis, Bestimmung/Determination, Denken, Denkform, Determinismus, Dialektik, Emanzipation, Ethik, Feuerbach-Thesen, fremd/Fremdheit, Freude, Freudomarxismus, funktional-historische Analyse, Gefühle/Emotionen, Gegenmacht, Gegenstand, Geist, Gesellschaft, Gott, Handlung, Imaginäres, individuelle Reproduktion, Individuum, Irrationalismus, kollektives Handeln, Kompetenz/Inkompetenz, Kräfteverhältnis, Kritische Psychologie, Lebensführung, Macht, Metaphysik, Monismus, Natur, Ontologie, Opportunismus, Pantheismus, Persönlichkeitstheorie, Praxis, Produktionsweise, Rationalismus, Rationalität, Selbsttätigkeit, Selbstverwirklichung, Spinozismus, Subjektivismus, Subjektwissenschaft, Substanz, Tätigkeit, Unbewusstes, Vermittlung, Vernunft, Weisheit

artikel_per_email.jpg

 
InkriT Spende/Donate     Kontakt und Impressum: Berliner Institut für kritische Theorie e.V., c/o Tuguntke, Rotdornweg 7, 12205 Berlin
h/handlungsfaehigkeit.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/26 21:29 (Externe Bearbeitung)     Nach oben
Recent changes RSS feed Powered by PHP Valid XHTML 1.0 Valid CSS Driven by DokuWiki Design by Chirripó