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Held []

Held

A: al-baṭal. – E: hero. – F: héros. – R: geroj. – S: héroe. – C: yingxiong 英雄

Manfred Wekwerth

HKWM 6/I, 2004, Spalten 55-63

Die Figur des H (gr. ἡÏρως, Halbgott) ist so widersprüchlich wie die Verhältnisse, in denen er die Taten vollbringt, die seinen Ruf begründen. »Der Courage kühner Sohn vollbringt eine Heldentat zuviel und findet ein schimpfliches Ende« (Brecht); im Krieg war sein Morden und Plündern »Kühnheit«, im Frieden wird es zum Verbrechen, das er mit dem Leben bezahlt. Dass das Sterben fürs Vaterland als »glorreich und süß« gilt (Horaz, Oden), ist Ausdruck von Herrschaftsverhältnissen, in denen ungefragt bleibt, ob einer überhaupt H sein will. Auch die verirrte Kugel macht den H, der als Identifikationsfigur einer gemeinsamen Sache zur Nachahmung empfohlen wird. Ohne Heldenverehrung keine Helden. Ohne Dichtung oder Gesang keine Transformation von Geschichte in Mythologie.

»Heroifizierungen, Heroenkulte und Begriff des bürgerlichen Heros selbst breiten sich v.a. im Laufe des 19. Jh. in der Bewusstseinslandschaft ebenso wie in der sozialen Formation zunehmend in festen Verankerungen aus.« (Moebus 1976) H in diesem Sinn ist einer, der aus innerer Notwendigkeit danach trachtet, »die Wirklichkeit sich gefügig zu machen« (…). H-Kulte fungieren als »vielseitig verwendungsfähige und in hohem Maße berechenbare Werkzeuge […] namentlich in der Ära der Imperiumsbildungen und Trustgründungen« (…). Ob Brechung der widerständigen Natur durch den genialen Entdecker oder Weltmachtprojekt einer faschistischen Staatsmacht, deren Schlägertrupps sich mit der Ermordung der Gegner den Lorbeer verdienen – was das Gemeinsame ist, in dessen Dienst der H sich auszeichnet, steht nicht fest. Anders das verzweigte Projekt einer solidarischen Menschheit, dessen namenlose H.en nur selten die Anonymität durchbrechen, um gar als Nobelpreisträger in Erscheinung zu treten.

Dem H setzt sich von Anfang an der Anti-H entgegen. Brechts Schweyk »möcht nicht zuhören, wie die Großen auf uns schimpfen, wenns beieinander sind«, denn das gewöhnliche Volk »hält alles für überflüssig, sogar das Heldentum« (…). Der ›H der sozialistischen Arbeit‹ hat seinen Wiedergänger in Ulrich Plenzdorfs Edgar Wibeau, der die Lehre aufgibt und ›Selbstkritik‹ entwürdigend findet, bei der man sagen soll, »ob man ein Vorbild hat« (1976). Brecht rühmt die »Vielzahl kleiner Alltagskämpferinnen, die nicht als Einzelne in den Vordergrund treten« (Andresen 1984) – »Unbekannte Soldaten der Revolution / Unentbehrlich« (Die Mutter).

Angst/Furcht, Brecht-Linie, dialektisches Theater, Einfühlung, episches Theater, Haltung, Historisierung, Identifikation, immanente Kritik, Katharsis, Komisches, Lachen, Mitleid, Mythos, Plebejisches, sozialistischer Realismus, Theater, Verfremdung, Vorbild

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