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Legaler Marxismus []

Legaler Marxismus

A: marksīya aš-šar'īya. – E: Legal Marxism. - F: marxisme légal. – R: legal’nyj marksizm. - S: marxismo legal. - C: hefademakesizhuyi 合法的马克思主义

Vesa Oittinen, Wolfgang Küttler

HKWM 8/I, 2012, Spalten 791-800

›Legale Marxisten‹ (lM) ist die Bezeichnung für eine Gruppe russischer Intellektueller, die seit Ende des 19. Jh. in zeitweilig trotz der zaristischen Zensur legal erscheinenden, teils von ihnen gegründeten und geleiteten Zeitschriften selektiv marxistische Auffassungen vertraten. Sie nutzten diese zur Begründung der kapitalistischen Entwicklungsperspektive Russlands und zur Auseinandersetzung mit den agrarsozialistischen Ansichten der Volkstümler (Narodniki). Ihr führender Repräsentant war der aus einer renommierten deutsch-baltischen Gelehrtenfamilie stammende Peter (Pjotr) Struve. Weitere wichtige Vertreter sind die Philosophen Nikolaj Berdjajew und Semjon Frank sowie die Ökonomen Sergej Bulgakow und Michail Tugan-Baranowski. Sozial und weltanschaulich waren sie eher bürgerlich-liberal orientiert; ihre Annäherung an den Marxismus und die sich formierende Sozialdemokratie blieb Episode.

Der Name LM war weder eine Eigencharakteristik der sehr heterogenen Gruppe (vgl. Berdjajew 1946/1994), noch trifft die Bezeichnung ›legal‹ die spezifische Differenz. Vielmehr bezieht sich LM, wie Lenin im Rückblick 1902 urteilt, sowohl auf den Missbrauch als auch auf die Möglichkeiten der Verbreitung marxistischer Literatur und deren Funktion im zaristischen Russland, im »Halbdunkel der politischen Sklaverei und bei einer völlig originellen Wechselbeziehung von ›legaler‹ und ›illegaler‹ Tätigkeit«. (Was tun?). Der »Honigmond des ›lM‹« in den 1880er und 90er Jahren sei »eine außerordentlich originelle Erscheinung« gewesen; denn es habe unter den Bedingungen des Absolutismus niemand für möglich gehalten, dass sich »in der unter Zensur stehenden Literatur« die marxsche Theorie habe verbreiten können, wenn auch »in einer Äsopschen [… ] Sprache« (…). Die Bezeichnung LM dient hier wie später dazu, die Distanz der Sozialdemokratie nicht nur zu den liberalen Marxkritikern, sondern generell zu dieser Phase eines möglichen Zusammengehens von bürgerlichen und soziademokratischen Oppositionellen zu bestimmen.

Die konkrete Rolle des LM in der russischen revolutionären Bewegung ist ungenügend erforscht; seine Beurteilung wird weitgehend von der späteren Position seiner Vertreter bestimmt. In der Sowjetzeit dominierte die negative Wertung im Rahmen des etablierten Kanons der Geschichte der KPdSU; auch differenziertere Interpretationen in den 1960er und 70er Jahren richteten sich weitgehend nach den Einschätzungen Lenins (vgl. Küttler 1978). Im postsowjetischen Russland wiederum hat man sich wenig für die Marxismusrezeption im russischen Liberalismus interessiert. Im Westen gehören das Buch von Richard Kindersley (1962) und eine zweibändige Struve-Biographie von Richard Pipes (1970 u. 1980) zu den wenigen Spezialstudien, zudem werden einige Vertreter des LM im Überblickswerk von Joachim Zweynert (2002) behandelt.

Akkumulation, Basis, Christlicher Sozialismus, feudaler Sozialismus, Feudalismus, Formationenfolge/vorkapitalistische Gesellschaftsformationen, historischer Materialismus, Illegalität, Industrialisierung, Kantianismus, Kapitalismus, Kathedersozialismus, Kautskyanismus, Kommunismus, Konterrevolution, Liberalismus, Marxismus, Marxismus-Leninismus, Menschewismus, Neukantianismus, Ökonomismus, Realisation, Reproduktionsschemata, Revisionismusstreit, Übergang, Volkstümler, Zweite Internationale

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l/legaler_marxismus.txt · Zuletzt geändert: 2018/02/26 21:29 (Externe Bearbeitung)     Nach oben
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