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k:kulinarisches [2013/03/16 15:19]
christian
k:kulinarisches [2015/06/01 13:28] (aktuell)
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 I. Das »K«, von lat. //culina// (Küche), gemeinhin auf die Kunst raffinierter Speisezubereitung bezogen, steht bei Brecht für eine auf den »Kult des Schönen« reduzierte Kunstausübung, die »mit der Abneigung gegen das <!--[-->[[l:Lernen|Lernen]]<!--]--> und der Verachtung des Nützlichen« einhergeht. Entleert von »allem Wissenswerten«, wird das Theater zum Hort eines »abgeschmackten Kulinarismus geistloser Augen- oder Seelenweiden« (//Kl.Organon//, GA 23), der nach dem entsprechenden »kulinarischen Kritiker, dem auf ästhetische Reize aller Art fliegenden Genussmenschen« (GA 21), verlangt. Nicht dass Brecht den [[g:Genuss]] abgelehnt hätte. Aber es kommt darauf an, was und unter welchen Bedingungen genossen wird. Immer habe er sich darüber gewundert, lässt Brecht Ziffel in den //Flüchtlingsgesprächen// sagen, »warum die linken Schriftsteller zum Aufhetzen nicht saftige Beschreibungen von den Genüssen anfertigen, die man hat, wenn man hat« (GW 14). Wo die Tugend des Opfersinns gepredigt wird, würde »eine einfache Beschreibung der Käsesorten, fasslich und anschaulich geschrieben, […] unbedingt bildend wirken« (ebd.). Kurz, »Genusssucht« ist »eine der größten Tugenden« (...). Denn warum sollte man kämpfen, »wenn man nicht nach Genuss strebt« (//Me-ti//, GW 12)? Alles schlucken zu müssen, ist die Mitgift von Zuständen, »in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes […] Wesen ist« (Marx). Nicht unterschiedslos alles essen, nicht jeden <!--[-->[[j:Job|Job]]<!--]--> annehmen zu müssen – wer das genussvolle Leben verwirklichen will, muss das »K« bekämpfen. I. Das »K«, von lat. //culina// (Küche), gemeinhin auf die Kunst raffinierter Speisezubereitung bezogen, steht bei Brecht für eine auf den »Kult des Schönen« reduzierte Kunstausübung, die »mit der Abneigung gegen das <!--[-->[[l:Lernen|Lernen]]<!--]--> und der Verachtung des Nützlichen« einhergeht. Entleert von »allem Wissenswerten«, wird das Theater zum Hort eines »abgeschmackten Kulinarismus geistloser Augen- oder Seelenweiden« (//Kl.Organon//, GA 23), der nach dem entsprechenden »kulinarischen Kritiker, dem auf ästhetische Reize aller Art fliegenden Genussmenschen« (GA 21), verlangt. Nicht dass Brecht den [[g:Genuss]] abgelehnt hätte. Aber es kommt darauf an, was und unter welchen Bedingungen genossen wird. Immer habe er sich darüber gewundert, lässt Brecht Ziffel in den //Flüchtlingsgesprächen// sagen, »warum die linken Schriftsteller zum Aufhetzen nicht saftige Beschreibungen von den Genüssen anfertigen, die man hat, wenn man hat« (GW 14). Wo die Tugend des Opfersinns gepredigt wird, würde »eine einfache Beschreibung der Käsesorten, fasslich und anschaulich geschrieben, […] unbedingt bildend wirken« (ebd.). Kurz, »Genusssucht« ist »eine der größten Tugenden« (...). Denn warum sollte man kämpfen, »wenn man nicht nach Genuss strebt« (//Me-ti//, GW 12)? Alles schlucken zu müssen, ist die Mitgift von Zuständen, »in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes […] Wesen ist« (Marx). Nicht unterschiedslos alles essen, nicht jeden <!--[-->[[j:Job|Job]]<!--]--> annehmen zu müssen – wer das genussvolle Leben verwirklichen will, muss das »K« bekämpfen.
  
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