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k:kriegsverbrechen [2015/05/26 13:55]
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 Ist [[k:Krieg]] an sich ein Verbrechen, oder beginnt das Verbrechen erst, wenn im durch das //ius ad bellum,// das Recht zum Krieg, gerechtfertigten militärischen [[k:Kampf]] gegen das //ius in bello,// das Recht //im// Krieg, verstoßen wird? Ist [[k:Krieg]] an sich ein Verbrechen, oder beginnt das Verbrechen erst, wenn im durch das //ius ad bellum,// das Recht zum Krieg, gerechtfertigten militärischen [[k:Kampf]] gegen das //ius in bello,// das Recht //im// Krieg, verstoßen wird?
  
-Als Michail Gorbatschow den »radikalen Bruch mit den althergebrachten Vorstellungen von [[k:Krieg und Frieden]]« fordert und Sicherheit als einzig »über politische Lösungen, über [[a:Abrüstung]]« erreichbar definiert (1988), nimmt er den entschiedensten Ansatz zur Verhinderung von K wieder auf: die Ächtung des Krieges überhaupt. Er hat darin viele Vorläufer: Kant, der im Traktat //Zum ewigen Frieden// für einen »Friedensbund« wirbt, der »alle Kriege auf immer zu endigen« sucht (1795), Fichte, der – im »auf der Woge der Begeisterung für die [[f:Französische Revolution]]« genährten Glauben, »dass der Sturz der Feudalmacht für immer die Wurzeln des Krieges beseitigt hätte« (Losurdo 1991) – den »ewigen Frieden zwischen den Völkern« für möglich hält (1800/1988), Lenin, der im //Dekret über den Frieden// die Fortsetzung des Weltkriegs als »das größte Verbrechen an der Menschheit« charakterisiert und mit der Revolution »die Arbeiter« vor die Aufgabe gestellt sieht, »die Menschheit von den Schrecken des Krieges und seinen Folgen zu befreien« (1917) – womit er an Engels anknüpft, der 1885 einen »großen Krieg« voraussagt und »ein Blutvergießen und eine Verwüstung und schließlich eine Ermattung wie nie vorher«, wobei dieser Krieg »der letzte« sein werde, denn er gehe mit dem »vollständigen Zusammenbruch des Klassenstaats« einher (an Bebel, 17.11.1885).+Als Michail Gorbatschow den »radikalen Bruch mit den althergebrachten Vorstellungen von [[k:Krieg und Frieden]]« fordert und Sicherheit als einzig »über politische Lösungen, über [[a:Abrüstung]]« erreichbar definiert (1988), nimmt er den entschiedensten Ansatz zur Verhinderung von K wieder auf: die Ächtung des Krieges überhaupt. Er hat darin viele Vorläufer: Kant, der im Traktat //Zum ewigen Frieden// für einen »Friedensbund« wirbt, der »alle Kriege auf immer zu endigen« sucht (1795), Fichte, der – im »auf der Woge der Begeisterung für die [[f:Französische Revolution]]« genährten Glauben, »dass der Sturz der Feudalmacht für immer die Wurzeln des Krieges beseitigt hätte« (Losurdo 1991) – den »ewigen Frieden zwischen den Völkern« für möglich hält (1800/1988), Lenin, der im //Dekret über den Frieden// die Fortsetzung des Weltkriegs als »das größte Verbrechen an der <!--[-->[[m:Menschheit|Menschheit]]<!--]-->« charakterisiert und mit der Revolution »die Arbeiter« vor die Aufgabe gestellt sieht, »die Menschheit von den Schrecken des Krieges und seinen Folgen zu befreien« (1917) – womit er an Engels anknüpft, der 1885 einen »großen Krieg« voraussagt und »ein Blutvergießen und eine Verwüstung und schließlich eine Ermattung wie nie vorher«, wobei dieser Krieg »der letzte« sein werde, denn er gehe mit dem »vollständigen Zusammenbruch des Klassenstaats« einher (an Bebel, 17.11.1885).
  
 Revolutionszeiten und der unmittelbare Eindruck von Kriegsverheerungen bilden den Hintergrund für eine besonders entschiedene Infragestellung des //ius ad bellum.// Bertha v. Suttners Buch //Die Waffen nieder!// (1889) mit seiner detaillierten Darstellung der Gräuel des preußisch-österreichischen Krieges 1866 und des deutsch-französischen Krieges 1870/71 erlebt Ende des 19. Jh. eine Auflage von vielen hunderttausend Exemplaren – aber zu Beginn des Weltkrieges 1914, als Krieg keine unmittelbare [[e:Erfahrung]] mehr ist und nur unklare Vorstellungen vom destruktiven Potenzial des technischen [[f:Fortschritt]]s herrschen, ist seine Botschaft vergessen. Als Helmut Holtzhauer 1947 unter dem Eindruck des gerade erst zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs Kants Friedenstraktat mit dem Hinweis darauf, dass es in der NS-Diktatur »auf dem Index der Geheimen Staatspolizei stand«, neu herausgibt, hält er »dem Frieden zu dienen« für »Dienst am Menschen schlechthin«, denn: »Noch weniger wie zu Kants Zeiten erhoffen gegenwärtig die Völker vom Kriege eine Besserung ihrer Lebenslage. Würde doch ein künftiger Krieg die Seinsgrundlage der gesamten Menschheit in hohem Maß gefährden.« (...) Fünfzig Jahre später ist das //ius ad bellum// in der Staatenpraxis nicht ernsthaft in Frage gestellt. Revolutionszeiten und der unmittelbare Eindruck von Kriegsverheerungen bilden den Hintergrund für eine besonders entschiedene Infragestellung des //ius ad bellum.// Bertha v. Suttners Buch //Die Waffen nieder!// (1889) mit seiner detaillierten Darstellung der Gräuel des preußisch-österreichischen Krieges 1866 und des deutsch-französischen Krieges 1870/71 erlebt Ende des 19. Jh. eine Auflage von vielen hunderttausend Exemplaren – aber zu Beginn des Weltkrieges 1914, als Krieg keine unmittelbare [[e:Erfahrung]] mehr ist und nur unklare Vorstellungen vom destruktiven Potenzial des technischen [[f:Fortschritt]]s herrschen, ist seine Botschaft vergessen. Als Helmut Holtzhauer 1947 unter dem Eindruck des gerade erst zu Ende gegangenen Zweiten Weltkriegs Kants Friedenstraktat mit dem Hinweis darauf, dass es in der NS-Diktatur »auf dem Index der Geheimen Staatspolizei stand«, neu herausgibt, hält er »dem Frieden zu dienen« für »Dienst am Menschen schlechthin«, denn: »Noch weniger wie zu Kants Zeiten erhoffen gegenwärtig die Völker vom Kriege eine Besserung ihrer Lebenslage. Würde doch ein künftiger Krieg die Seinsgrundlage der gesamten Menschheit in hohem Maß gefährden.« (...) Fünfzig Jahre später ist das //ius ad bellum// in der Staatenpraxis nicht ernsthaft in Frage gestellt.
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-➫ [[b:Bürgerkrieg]], [[e:Exterminismus]],  [[f:Faschismus]],  [[f:Französische Revolution]],  [[f:Frieden]], [[f:Friedensbewegung]],  [[g:Genozid]],  [[g:gerechter Krieg]],  [[h:Humanismus]], [[i:Imperialismus]],  [[i:internationale Zivilgesellschaft]],  [[k:Kalter Krieg]],  [[k:Krieg]], [[k:Kriege zwischen sozialistischen Staaten]],  [[k:Krieg und Frieden]], Menschenrechte,  Militär,  Militärdiktatur,  Nationalsozialismus,  Neue Kriege,  Pariser Kommune,  Recht,  Rechtsstaat,  Spanischer Bürgerkrieg, Staatsterrorismus,  Terrorismus,  Völkerrecht,  Weltkrieg +➫ [[b:Bürgerkrieg]], [[e:Exterminismus]],  [[f:Faschismus]],  [[f:Französische Revolution]],  [[f:Frieden]], [[f:Friedensbewegung]],  [[g:Genozid]],  [[g:gerechter Krieg]],  [[h:Humanismus]], [[i:Imperialismus]],  [[i:internationale Zivilgesellschaft]],  [[k:Kalter Krieg]],  [[k:Krieg]], [[k:Kriege zwischen sozialistischen Staaten]],  [[k:Krieg und Frieden]], <!--[-->[[m:Menschenrechte|Menschenrecht]]<!--]-->e,  Militär,  <!--[-->[[m:Militärdiktatur|Militärdiktatur]]<!--]-->,  Nationalsozialismus,  Neue Kriege,  Pariser Kommune,  Recht,  Rechtsstaat,  Spanischer Bürgerkrieg, Staatsterrorismus,  Terrorismus,  Völkerrecht,  Weltkrieg 
    
  

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k/kriegsverbrechen.1432641303.txt.gz · Zuletzt geändert: 2015/05/26 13:55 von korrektur     Nach oben
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