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k:krieg_der_kulturen [2015/05/26 13:49]
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 Samuel Huntington hat mit seinem Buch //The Clash of Civilizations// (1996), das der Logik der Argumentation entsprechend nicht mit »[[k:Kampf]]«, sondern mit »[[k:Krieg]] der Kulturen« hätte übersetzt werden können, eine Formel geliefert, die bei jedem Konflikt des Westens mit der arabisch-islamischen Welt (11. September; Einmarsch der USA in Afghanistan und im Irak; islamische Proteste gegen dänische Mohammed-[[k:Karikatur]]en etc.) als Erklärung bemüht wird. Huntingtons These: »Wenn wir nicht hassen, was wir nicht sind, können wir nicht lieben, was wir sind.« Daher »sind Feinde unabdingbar, und die potenziell gefährlichsten Feindschaften begegnen uns an den Bruchlinien zwischen den großen Kulturen der Welt«. Sie »prägen heute, in der Welt nach dem Kalten Krieg, die Muster von [[k:Kohärenz]], Desintegration und Konflikt« (...). »Große« Kulturen oder »Kulturkreise« sind »keine politischen, sondern kulturelle Größen«; sie tun »nichts von dem, was Regierungen tun: die Ordnung aufrechterhalten, für [[g:Gerechtigkeit]] sorgen, Steuern erheben, Kriege führen, Verträge aushandeln« (...); sie liegen alledem vielmehr als lange gewachsene Zusammenhänge von »Blut, Sprache, Religion, <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensweise]]<!--]-->« (...) zugrunde. Nur zwölf verdienen überhaupt den Titel der »großen« Kultur: sieben vergangene (die »mesopotamische, ägyptische, kretische, [[k:klassisch]]e, byzantinische, mittelamerikanische und Anden-Kultur«) und fünf noch vorhandene: »die chinesische, japanische, indische, islamische und westliche« (...). Samuel Huntington hat mit seinem Buch //The Clash of Civilizations// (1996), das der Logik der Argumentation entsprechend nicht mit »[[k:Kampf]]«, sondern mit »[[k:Krieg]] der Kulturen« hätte übersetzt werden können, eine Formel geliefert, die bei jedem Konflikt des Westens mit der arabisch-islamischen Welt (11. September; Einmarsch der USA in Afghanistan und im Irak; islamische Proteste gegen dänische Mohammed-[[k:Karikatur]]en etc.) als Erklärung bemüht wird. Huntingtons These: »Wenn wir nicht hassen, was wir nicht sind, können wir nicht lieben, was wir sind.« Daher »sind Feinde unabdingbar, und die potenziell gefährlichsten Feindschaften begegnen uns an den Bruchlinien zwischen den großen Kulturen der Welt«. Sie »prägen heute, in der Welt nach dem Kalten Krieg, die Muster von [[k:Kohärenz]], Desintegration und Konflikt« (...). »Große« Kulturen oder »Kulturkreise« sind »keine politischen, sondern kulturelle Größen«; sie tun »nichts von dem, was Regierungen tun: die Ordnung aufrechterhalten, für [[g:Gerechtigkeit]] sorgen, Steuern erheben, Kriege führen, Verträge aushandeln« (...); sie liegen alledem vielmehr als lange gewachsene Zusammenhänge von »Blut, Sprache, Religion, <!--[-->[[l:Lebensweise, Lebensbedingungen|Lebensweise]]<!--]-->« (...) zugrunde. Nur zwölf verdienen überhaupt den Titel der »großen« Kultur: sieben vergangene (die »mesopotamische, ägyptische, kretische, [[k:klassisch]]e, byzantinische, mittelamerikanische und Anden-Kultur«) und fünf noch vorhandene: »die chinesische, japanische, indische, islamische und westliche« (...).
  
-Um »den Westen« aber geht es Huntington. »Die großen politischen Ideologien des 20. Jh.« (»<!--[-->[[l:Liberalismus|Liberalismus]]<!--]-->, Sozialismus, [[a:Anarchismus]], [...] [[k:Konservatismus]], Nationalismus, [[f:Faschismus]]«) »sind Produkte der westlichen Kultur«. »Der Westen hingegen hat niemals eine große Religion hervorgebracht.« Die »Trennung von Religion und internationaler Politik, ein ureigenes Ergebnis westlicher Kultur, geht zu Ende« (...). Weltweite »Indigenisierung« und das »Wiederaufleben nichtwestlicher Kulturen« lassen den Westen »verblassen« (...) und bedrohen seine Einzigartigkeit. »[[i:Idee]]n wie individuelle [[f:Freiheit]], politische [[d:Demokratie]], Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte [...] sind //europäische// Ideen, nicht asiatische, nicht afrikanische, nicht nahöstliche« (...).+Um »den Westen« aber geht es Huntington. »Die großen politischen Ideologien des 20. Jh.« (»<!--[-->[[l:Liberalismus|Liberalismus]]<!--]-->, Sozialismus, [[a:Anarchismus]], [...] [[k:Konservatismus]], Nationalismus, [[f:Faschismus]]«) »sind Produkte der westlichen Kultur«. »Der Westen hingegen hat niemals eine große Religion hervorgebracht.« Die »Trennung von Religion und internationaler Politik, ein ureigenes Ergebnis westlicher Kultur, geht zu Ende« (...). Weltweite »Indigenisierung« und das »Wiederaufleben nichtwestlicher Kulturen« lassen den Westen »verblassen« (...) und bedrohen seine Einzigartigkeit. »[[i:Idee]]n wie individuelle [[f:Freiheit]], politische [[d:Demokratie]], Rechtsstaatlichkeit, <!--[-->[[m:Menschenrechte|Menschenrecht]]<!--]-->e [...] sind //europäische// Ideen, nicht asiatische, nicht afrikanische, nicht nahöstliche« (...).
  
 Die Formel vom »Kampf der Kulturen« […] widersetzt sich zwar der [[i:Illusion]] vom ›[[e:Ende der Geschichte]]‹, wonach der Zusammenbruch des Ostblocks die westliche Demokratie als einzig mögliches [[g:Gesellschaft]]smodell übrig gelassen und endlich in den Rang der alternativlosen universalen Kultur erhoben habe (Fukuyama 1992); ebenso soll sie sich gegen jede militärische Intervention in einen andern Kulturkreis (z.B. der USA in Afghanistan oder im Irak) richten – aus Sorge vor einem neuen Weltkrieg. Doch ist sie für militärische Interventionen offen, wenn es gilt, die Trennung von Religion und Politik im eigenen Kulturkreis und dessen <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->stellung im globalen KdK aufrecht zu erhalten. Der Westen soll gar nicht erst versuchen, universale Kultur zu werden, aber alles tun, um die vorherrschende zu bleiben.  Die Formel vom »Kampf der Kulturen« […] widersetzt sich zwar der [[i:Illusion]] vom ›[[e:Ende der Geschichte]]‹, wonach der Zusammenbruch des Ostblocks die westliche Demokratie als einzig mögliches [[g:Gesellschaft]]smodell übrig gelassen und endlich in den Rang der alternativlosen universalen Kultur erhoben habe (Fukuyama 1992); ebenso soll sie sich gegen jede militärische Intervention in einen andern Kulturkreis (z.B. der USA in Afghanistan oder im Irak) richten – aus Sorge vor einem neuen Weltkrieg. Doch ist sie für militärische Interventionen offen, wenn es gilt, die Trennung von Religion und Politik im eigenen Kulturkreis und dessen <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->stellung im globalen KdK aufrecht zu erhalten. Der Westen soll gar nicht erst versuchen, universale Kultur zu werden, aber alles tun, um die vorherrschende zu bleiben. 

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