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k:kontingenz [2015/06/14 12:56]
christian
k:kontingenz [2015/06/14 12:57] (aktuell)
christian
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-Das Adjektiv ›kontingent‹ bezeichnet etwas, das nicht notwendig, jedoch möglich ist; ferner etwas, das von anderen Dingen abhängt, die vielleicht so vielfältig und komplex sind, dass ihr Auftreten schwer vorherzusagen ist. Aufgrund dieser Unsicherheit wird K oft als Bedrohung des Sinnbedürfnisses erfahren, sowohl in Bezug auf den [[g:Geschichte|Geschichts]]verlauf, als auch auf die eigenen Lebensumstände. Gegen religiöse oder philosophische Überzeichnungen dieser Bedrohung ist festzuhalten, dass das [[a:Alltag]]sleben unter Bedingungen totaler Unvorhersehbarkeit, also des Chaos, kaum möglich wäre. Es ließe sich sogar sagen, dass alle gesellschaftlichen [[f:Form|Formen]] historisch, folglich selber kontingente Formen der K-Bewältigung sind. Eine dieser Formen ist Planung, also der Versuch – wie (in)effektiv auch immer – das Leben ›vorhersehbar‹ bzw. überschaubar zu machen und die Ausgeliefertheit zu reduzieren. Dabei empfiehlt sich, einen Plan B zu haben, auch wenn die [[e:Erfahrung]] zeigt, dass auch dieser oft versagt. K wirft somit die Frage der Orientierung auf: wie handeln in neuartigen Situationen? Die Neigung, »in den Launen Fortunas die ›List‹ einer zielgewissen ›Vernunft‹ am Werk zu sehen, macht sich als [...] [[d:dogma]]tisierte Gläubigkeit verdächtig, deformierend, was [[a:Aufklärung]] einmal wollte« (Köhler 1973/1993).+Das Adjektiv ›kontingent‹ bezeichnet etwas, das nicht notwendig, jedoch möglich ist; ferner etwas, das von anderen Dingen abhängt, die vielleicht so vielfältig und komplex sind, dass ihr Auftreten schwer vorherzusagen ist. Aufgrund dieser Unsicherheit wird K oft als Bedrohung des Sinnbedürfnisses erfahren, sowohl in Bezug auf den [[g:Geschichte|Geschichts]]verlauf, als auch auf die eigenen Lebensumstände. Gegen religiöse oder philosophische Überzeichnungen dieser Bedrohung ist festzuhalten, dass das [[a:Alltag]]sleben unter Bedingungen totaler Unvorhersehbarkeit, also des Chaos, kaum möglich wäre. Es ließe sich sogar sagen, dass alle gesellschaftlichen [[f:Form|Formen]] historisch, folglich selber kontingente Formen der K-Bewältigung sind. Eine dieser Formen ist Planung, also der Versuch – wie (in)effektiv auch immer – das Leben ›vorhersehbar‹ bzw. überschaubar zu machen und die Ausgeliefertheit zu reduzieren. Dabei empfiehlt sich, einen Plan B zu haben, auch wenn die [[e:Erfahrung]] zeigt, dass auch dieser oft versagt. K wirft somit die Frage der Orientierung auf: wie handeln in neuartigen Situationen? Die Neigung, »in den Launen Fortunas die ›List‹ einer zielgewissen ›Vernunft‹ am Werk zu sehen, macht sich als [...] dogmatisierte Gläubigkeit verdächtig, deformierend, was [[a:Aufklärung]] einmal wollte« (Köhler 1973/1993).
  
 Im Deutschen wird zumeist von »Zufall« gesprochen, da sich der Ausdruck ›K‹ »nicht eingebürgert« hat (Adorno). Dem kommt die in der Wortbildung eingeschlossene Metaphorik entgegen: ›K‹ kommt »vom lateinischen [...] ›contingere‹, wörtlich ›zusammen (sich) berühren‹, was etwa dem deutschen ›zu(sammen)fallen‹, wovon ›Zufall‹ [...], entspricht« (Brugger 1976). »›Kontingent‹ heißt ›zufällig‹«, schreibt Adorno; »aber nicht das einzelne Zufällige, nicht einmal die davon abstrahierte allgemeine Zufälligkeit, sondern Zufälligkeit als wesentlicher Charakter des Lebens« (...). Auch wenn sich das deutsche Wort ›Zufall‹ somit als Synonym für K auffassen lässt, entspringt dem Sprachgebrauch, der es der ›Notwendigkeit‹ im Sinne der ›[[g:Gesetz, soziales|Gesetz]]mäßigkeit‹ entgegensetzt, ein Problem für emanzipatorisches Handeln.  Im Deutschen wird zumeist von »Zufall« gesprochen, da sich der Ausdruck ›K‹ »nicht eingebürgert« hat (Adorno). Dem kommt die in der Wortbildung eingeschlossene Metaphorik entgegen: ›K‹ kommt »vom lateinischen [...] ›contingere‹, wörtlich ›zusammen (sich) berühren‹, was etwa dem deutschen ›zu(sammen)fallen‹, wovon ›Zufall‹ [...], entspricht« (Brugger 1976). »›Kontingent‹ heißt ›zufällig‹«, schreibt Adorno; »aber nicht das einzelne Zufällige, nicht einmal die davon abstrahierte allgemeine Zufälligkeit, sondern Zufälligkeit als wesentlicher Charakter des Lebens« (...). Auch wenn sich das deutsche Wort ›Zufall‹ somit als Synonym für K auffassen lässt, entspringt dem Sprachgebrauch, der es der ›Notwendigkeit‹ im Sinne der ›[[g:Gesetz, soziales|Gesetz]]mäßigkeit‹ entgegensetzt, ein Problem für emanzipatorisches Handeln. 

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k/kontingenz.txt · Zuletzt geändert: 2015/06/14 12:57 von christian     Nach oben
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