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Konsumtion

A: istihlāk. – E: consumption. – F: consommation. – R: potreblenie. – S: consumción. – C: xiaofei 消费

Thomas Marxhausen

HKWM 7/II, 2010, Spalten 1654-1661

Im Unterschied zur alltagsnäheren Kategorie des Konsums ist K ein ökonomischer Begriff. Marx bestimmt Produktion, Distribution, Zirkulation und K als »Glieder einer Totalität […], Unterschiede innerhalb einer Einheit«, zwischen denen eine »Wechselwirkung« stattfindet wie »bei jedem organischen Ganzen« (Einl 57). K stellt sich dabei, abweichend von der Alltagssprache, zunächst gedoppelt dar: In allen Produktionsweisen wird das Arbeitsergebnis entweder als Produktionsmittel oder »als Lebensmittel des lebendigen Individuums« konsumiert (…). Während Produktionsmittel »produktiv konsumiert« werden (…), spricht Marx im zweiten Fall davon, dass Produkte »als Lebensmittel in die individuelle K« eingehen (…), was missverständlich ist, da es Formen der gemeinschaftlichen K (Familie usw.) ausblendet. Zu bedenken ist schließlich, dass K den Unterschied zwischen Verbrauch (Verzehr) und Gebrauch (etwa das Bewohnen eines Hauses) umschließt. Persönlicher Lebensmittelkonsum fällt mit staatlichem und allgemein institutionellem (Superstrukturen) Konsum vom Standpunkt des Kapitals in der Kategorie des »Endverbrauchs« zusammen, obwohl jener die Ware Arbeitskraft und dieser die allgemeinen Produktionsbedingungen (re-)produziert.

Kapital setzt die Trennung der Arbeiter von den Verwirklichungsbedingungen ihrer Arbeit voraus und bringt eine eigentumslose Arbeiterklasse hervor, deren K beschränkt ist vom Wert ihrer Arbeitskraft (»Lohnquote«). Im Verhältnis von ›individueller‹ und produktiver K legt Marx die antagonistischen Interessenstandpunkte frei: Entscheidet die individuelle K des Arbeiters über seinen Lebensstandard, ist also Grundlage für die Produktion seines Lebens selbst, so ist sie für ihn insofern dennoch »unproduktiv«, als sie ihn wiederum nur als »das bedürftige Individuum« gegenüber dem »objektiven Reichtum als Kapital« reproduziert (…); dagegen ist sie insofern »produktiv für den Kapitalisten und den Staat«, als sie »Produktion der den fremden Reichtum produzierenden Kraft« ist; »unproduktiv« wird sie für diese, wo sie nicht »Konsum von mehr Arbeitskraft durch das Kapital« bedeutet (…). Erst mit der Vergesellschaftung der Produktionsmittel, die »nicht das Privateigentum wieder her[stellt], wohl aber das individuelle Eigentum auf Grundlage der Errungenschaft der kapitalistischen Ära: der Kooperation und des Gemeinbesitzes der Erde und der durch die Arbeit selbst produzierten Produktionsmittel« (…), kann der Gegensatz zwischen Produktion und K und mit ihm die antagonistische Verteilung von Arbeit und Genuss sowie Teilhabe an den gesellschaftlich-kulturellen Entwicklungschancen beseitigt werden.

Arbeit, Arbeiterklasse, Arbeitskraft, Bedürfnis, Distribution, ehernes Lohngesetz, Einkommen, Elend, Essen, Gebrauchswert, Genuss, gerechter Lohn, Grundsicherung, individuelle Reproduktion, Kapital (konstantes und variables), Keynesianismus, Klassenlage, Kommodifizierung, Konsument, Konsumgesellschaft, Konsumismus, Konsumnorm/Konsumweise, Krise, Krisentheorien, Lebensweise, Lohnarbeit, Luxus, Mindesteinkommen, Pauper, Produktion, Produktionsweise, Regulationstheorie, Reproduktionsschemata, Reproduktionsverhältnisse, Schlaraffenland, Schnaps, Unterkonsumtion, Verelendung, Warenästhetik, Zirkulation

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