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k:kompromiss [2015/05/26 09:37]
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 I. Ins Deutsche gelangte das lat. //compromissum// v.a. in der [[b:Bedeutung]] des römischen Rechtsausdrucks »sich gegenseitig versprechen, die [[e:Entscheidung]] auf den Ausspruch eines arbiter (Schiedrichters) ankommen zu lassen und sich dabei zu beruhigen« (Georges, 1). Dies lässt an die Möglichkeit einer Schlichtung durch einen ›Dritten‹ wie an die Abtretung der Urteils-Fähigkeit an eine spezialisierte, ›höhere [[i:Instanz]]‹ denken. Der prekäre Status des K, dass dabei unter der Hand die eigenen Maßstäbe und Prinzipien entgleiten können oder außer Kraft gesetzt werden, tritt in der übers Frz. vermittelten pejorativen Sonderbedeutung von »kompromittieren« hervor, »jemanden in eine kritische Lage bringen, jemanden bloßstellen (indem man ihn dem Urteil eines Dritten aussetzt)« (Duden, Etymologie). I. Ins Deutsche gelangte das lat. //compromissum// v.a. in der [[b:Bedeutung]] des römischen Rechtsausdrucks »sich gegenseitig versprechen, die [[e:Entscheidung]] auf den Ausspruch eines arbiter (Schiedrichters) ankommen zu lassen und sich dabei zu beruhigen« (Georges, 1). Dies lässt an die Möglichkeit einer Schlichtung durch einen ›Dritten‹ wie an die Abtretung der Urteils-Fähigkeit an eine spezialisierte, ›höhere [[i:Instanz]]‹ denken. Der prekäre Status des K, dass dabei unter der Hand die eigenen Maßstäbe und Prinzipien entgleiten können oder außer Kraft gesetzt werden, tritt in der übers Frz. vermittelten pejorativen Sonderbedeutung von »kompromittieren« hervor, »jemanden in eine kritische Lage bringen, jemanden bloßstellen (indem man ihn dem Urteil eines Dritten aussetzt)« (Duden, Etymologie).
  
-K.e erscheinen im Allgemeinen so lange als unproblematisch, wie sie als Ergebnis des Miteinander-Sprechens von Akteuren mit partikularen [[i:Interesse]]mit dem Ziel der Verständigung und Übereinkunft durch wechselseitige Zugeständnisse betrachtet werden. Geht es aber in einem sozialen System mit [[a:Antagonismus|antagonistischer]] Struktur um [[f:Frage]]des [[g:Gemeinwesen]]s, um [[h:Handlungsfähigkeit]] in der Perspektive geschichtlicher Veränderung, die dem Anspruch auf gemeinschaftliche Verfügung über die Bedingungen des eigenen Lebens Rechnung tragen, ist es nicht hinreichend, sie unter formalem Aspekt als Aushandlung unter ›Gleichen‹ oder als Kräftegleichgewicht zu begreifen. Sie drücken einen Entwicklungsstand gesellschaftlicher [[k:Kampf|Kämpfe]] aus, aus denen ein vorläufiges [[k:Konflikttheorien|Konfliktresultat]] hervorgegangen ist, zeigen einen »gesellschaftlichen Umwälzungsprozess an einem Ruhepunkt« (Marx, //Klassenkämpfe//) an. In der K-Resultante verliert sich typischer Weise die Spur des Zustandekommens des K, da dieser selbst das politische Terrain verändert.  +K.e erscheinen im Allgemeinen so lange als unproblematisch, wie sie als Ergebnis des Miteinander-Sprechens von Akteuren mit partikularen [[i:Interesse|Interessen]] mit dem Ziel der Verständigung und Übereinkunft durch wechselseitige Zugeständnisse betrachtet werden. Geht es aber in einem sozialen System mit [[a:Antagonismus|antagonistischer]] Struktur um [[f:Frage|Fragen]] des [[g:Gemeinwesen|Gemeinwesens]], um [[h:Handlungsfähigkeit]] in der Perspektive geschichtlicher Veränderung, die dem Anspruch auf gemeinschaftliche Verfügung über die Bedingungen des eigenen Lebens Rechnung tragen, ist es nicht hinreichend, sie unter formalem Aspekt als Aushandlung unter ›Gleichen‹ oder als Kräftegleichgewicht zu begreifen. Sie drücken einen Entwicklungsstand gesellschaftlicher [[k:Kampf|Kämpfe]] aus, aus denen ein vorläufiges [[k:Konflikttheorien|Konfliktresultat]] hervorgegangen ist, zeigen einen »gesellschaftlichen Umwälzungsprozess an einem Ruhepunkt« (Marx, //Klassenkämpfe//) an. In der K-Resultante verliert sich typischer Weise die Spur des Zustandekommens des K, da dieser selbst das politische Terrain verändert.  
- Damit gesellschaftliche [[h:Herrschaft]] sich in der [[f:Form]] des K ausdrückt, ist vorausgesetzt, dass nicht »eine Kraft sich die andere mit Zwang« unterordnen kann. Deshalb ist, wie Gramsci bemerkt, die Frage zunächst »die, ob es diese [[g:Gewalt]] gibt und ob es ›produktiv‹ ist, sie einzusetzen« (//Gef//). K.e werden formal auf einer »[[e:Ebene]] der [[g:Gleichheit]]« geschlossen, in dieser Form aber sind sie [[a:Ausdruck]] einer stabilisierenden [[f:Funktion]] innerhalb einer Herrschaftsstruktur. Wenn die [[e:Einheit]] zweier Kräfte, also ein //innerer// K, gegen eine dritte notwendig ist, nimmt der K eine andere Form an und geht eine andere Verbindung mit Gewalt ein als in einer hegemonialen Struktur, wo die Herrschaft auf die Mitwirkung der Beherrschten angewiesen ist. Hier müssen die herrschenden Gruppen einen //äußeren// K mit den subalternen Gruppen suchen und »den Interessen und Tendenzen der Gruppierungen, über welche [[h:Hegemonie]] ausgeübt werden soll«, Rechnung tragen (auch wenn sich dies nicht bis in den ökonomischen Kernbereich hinein erstreckt). Die K-Fähigkeit einer Gruppierung ist also im Rahmen der jeweiligen Grundstruktur der Herrschaft selbst veränderlich, von den geschichtlichen Voraussetzungen und den konkreten [[k:Kräfteverhältnis]]sen abhängig, die wiederum durch ihr politisches Moment – wie die Kräfte organisiert und angeordnet sind –, selbst in gewissen Grenzen ›beweglich‹ sind. Vorgefundene, von der geschichtlichen Entwicklung geschaffene K.e strukturieren das Feld, auf dem K.e geschlossen werden können und müssen (//erzwungene// K.e bzw. [[f:Freiheit]]sgrade aus der Sicht der Handelnden). Dies macht die Schwierigkeit und die ›Kunst‹ des politischen Umgangs mit K.en aus: sie sind unvermeidlich, »da die [[g:Geschichte]] kontingent ist« und Handlungsnotwendigkeiten erzeugt, aber sie »haben ihre Grenzen darin, dass in dieser [[k:Kontingenz]] sich Kraftlinien abzeichnen« (Merleau-Ponty 1947/1990). In der Vermittlung von Nah- und Fernzielen, von subjektiven und objektiven Momenten der Kräfteverhältnisse, von verschiedenen [[k:Kampf]]formen und -terrains gilt es für die politischen Akteure immer wieder, »//den K in das Bewusstsein des K//« zu verwandeln (...).+ Damit gesellschaftliche [[h:Herrschaft]] sich in der [[f:Form]] des K ausdrückt, ist vorausgesetzt, dass nicht »eine Kraft sich die andere mit Zwang« unterordnen kann. Deshalb ist, wie Gramsci bemerkt, die Frage zunächst »die, ob es diese [[g:Gewalt]] gibt und ob es ›produktiv‹ ist, sie einzusetzen« (//Gef//). K.e werden formal auf einer »[[e:Ebene]] der [[g:Gleichheit]]« geschlossen, in dieser Form aber sind sie [[a:Ausdruck]] einer stabilisierenden [[f:Funktion]] innerhalb einer Herrschaftsstruktur. Wenn die [[e:Einheit]] zweier Kräfte, also ein //innerer// K, gegen eine dritte notwendig ist, nimmt der K eine andere Form an und geht eine andere Verbindung mit Gewalt ein als in einer hegemonialen Struktur, wo die Herrschaft auf die Mitwirkung der Beherrschten angewiesen ist. Hier müssen die herrschenden Gruppen einen //äußeren// K mit den subalternen Gruppen suchen und »den Interessen und Tendenzen der Gruppierungen, über welche [[h:Hegemonie]] ausgeübt werden soll«, Rechnung tragen (auch wenn sich dies nicht bis in den ökonomischen Kernbereich hinein erstreckt). Die K-Fähigkeit einer Gruppierung ist also im Rahmen der jeweiligen Grundstruktur der Herrschaft selbst veränderlich, von den geschichtlichen Voraussetzungen und den konkreten [[k:Kräfteverhältnis|Kräfteverhältnissen]] abhängig, die wiederum durch ihr politisches Moment – wie die Kräfte organisiert und angeordnet sind –, selbst in gewissen Grenzen ›beweglich‹ sind. Vorgefundene, von der geschichtlichen Entwicklung geschaffene K.e strukturieren das Feld, auf dem K.e geschlossen werden können und müssen (//erzwungene// K.e bzw. [[f:Freiheit|Freiheits]]grade aus der Sicht der Handelnden). Dies macht die Schwierigkeit und die ›Kunst‹ des politischen Umgangs mit K.en aus: sie sind unvermeidlich, »da die [[g:Geschichte]] kontingent ist« und Handlungsnotwendigkeiten erzeugt, aber sie »haben ihre Grenzen darin, dass in dieser [[k:Kontingenz]] sich Kraftlinien abzeichnen« (Merleau-Ponty 1947/1990). In der Vermittlung von Nah- und Fernzielen, von subjektiven und objektiven Momenten der Kräfteverhältnisse, von verschiedenen [[k:Kampf]]formen und -terrains gilt es für die politischen Akteure immer wieder, »//den K in das Bewusstsein des K//« zu verwandeln (...).
  
 Von der //K-Form// kann sowohl im Sinne des praktisch-politischen Umgangs mit K.en (taktische, strategische, moralische Fragen) als auch des strukturellen K (als geschichtliche Resultante und Voraussetzung politischen Handelns) gesprochen werden. In diesem Sinne verweist Engels auf die ›vorgefundenen‹, »von der geschichtlichen Entwicklung geschaffenen« K.e (...) und damit auf einen ›starken‹ [[b:Begriff]] von K.en als latenten, zumeist unbewusst bleibenden Handlungsvoraussetzungen. Für die politisch-strategische Orientierung linker [[b:Bewegung]] und die marxistische Geschichtsschreibung sind Diskussionen um den »[[k:Klassenkompromiss|Klassen-K]]«, die Frage des »[[k:kleineres Übel|kleineren Übels]]« oder den »[[h:historischer Kompromiss|historischen K]]« der italienischen Kommunisten mit den fortschrittlichen Kräften der ›katholischen Welt‹ wichtig geworden. Von der //K-Form// kann sowohl im Sinne des praktisch-politischen Umgangs mit K.en (taktische, strategische, moralische Fragen) als auch des strukturellen K (als geschichtliche Resultante und Voraussetzung politischen Handelns) gesprochen werden. In diesem Sinne verweist Engels auf die ›vorgefundenen‹, »von der geschichtlichen Entwicklung geschaffenen« K.e (...) und damit auf einen ›starken‹ [[b:Begriff]] von K.en als latenten, zumeist unbewusst bleibenden Handlungsvoraussetzungen. Für die politisch-strategische Orientierung linker [[b:Bewegung]] und die marxistische Geschichtsschreibung sind Diskussionen um den »[[k:Klassenkompromiss|Klassen-K]]«, die Frage des »[[k:kleineres Übel|kleineren Übels]]« oder den »[[h:historischer Kompromiss|historischen K]]« der italienischen Kommunisten mit den fortschrittlichen Kräften der ›katholischen Welt‹ wichtig geworden.

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