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d:dummheit [2015/03/26 23:07]
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-Dem Zweifel, ob D sich überhaupt als Begriff fassen läßt, widersprechen die Gegensätze: Klugheit, Verstand, Vernunft, gar Weisheit und die dazu erforderten [[h:Haltung]]en sind in die Axiomatik der Philosophie von Anbeginn eingeschrieben, wie dann nicht ihre Abwesenheiten? Daß aber die D eine Großmacht ist, ist in die geflügelten Worte eingegangen: »Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.« (Schiller, //Jungfrau von Orleans//)+Dem Zweifel, ob D sich überhaupt als Begriff fassen läßt, widersprechen die Gegensätze: Klugheit, Verstand, Vernunft, gar Weisheit und die dazu erforderten [[h:haltung|Haltungen]] sind in die Axiomatik der Philosophie von Anbeginn eingeschrieben, wie dann nicht ihre Abwesenheiten? Daß aber die D eine Großmacht ist, ist in die geflügelten Worte eingegangen: »Mit der Dummheit kämpfen Götter selbst vergebens.« (Schiller, //Jungfrau von Orleans//)
  
 Das philosophische Altertum, vor allem Sokrates, hat der D, wie Nietzsche in der //Fröhlichen Wissenschaft// sagt, das gute Gewissen genommen, indem »die Denker nicht müde [wurden], zu predigen: ›eure Gedankenlosigkeit und D, euer Dahinleben nach der Regel, eure Unterordnung unter die Meinung des Nachbars ist der Grund, weshalb ihr es so selten zum [[g:Glück]] bringt‹« (...). In der Tat hat Sokrates, wie Platon ihn etwa im //Protagoras// auftreten läßt, das Schlechte als Schlechtberatensein analysiert; der Epikureismus und die Stoa folgen ihm darin. Bei Spinoza taucht dieser Gedanke wieder auf. In Brechts ethisch-moralkritischer Verwandlung von »Du-Schwein-Sätzen« in »Du-Ochs-Sätze« wird er marxistisch durchgeführt. – Bei Jesus scheint ein Echo auf diesen Sokratischen Gedanken mitzuschwingen, wenn er sagt, wer sein Wort höre und nicht danach handle, gleiche dem Dummkopf (ἀνδρὶ μωρῷ, //viro stulto//), der sein Haus auf Sand errichtet hat (Mt). Der kluge ›[[e:Egoismus]]‹ wird diese Sprache verstehen. Das Christentum aber führte die Idee des substantiell Bösen ein und ›verteufelte‹ den Egoismus: »es verdummte und verhäßlichte und vergiftete die Selbstsucht«, wie es Nietzsche in freilich interessierter Verklärung seines Herrenmenschen-Phantasmas formuliert (...). Das philosophische Altertum, vor allem Sokrates, hat der D, wie Nietzsche in der //Fröhlichen Wissenschaft// sagt, das gute Gewissen genommen, indem »die Denker nicht müde [wurden], zu predigen: ›eure Gedankenlosigkeit und D, euer Dahinleben nach der Regel, eure Unterordnung unter die Meinung des Nachbars ist der Grund, weshalb ihr es so selten zum [[g:Glück]] bringt‹« (...). In der Tat hat Sokrates, wie Platon ihn etwa im //Protagoras// auftreten läßt, das Schlechte als Schlechtberatensein analysiert; der Epikureismus und die Stoa folgen ihm darin. Bei Spinoza taucht dieser Gedanke wieder auf. In Brechts ethisch-moralkritischer Verwandlung von »Du-Schwein-Sätzen« in »Du-Ochs-Sätze« wird er marxistisch durchgeführt. – Bei Jesus scheint ein Echo auf diesen Sokratischen Gedanken mitzuschwingen, wenn er sagt, wer sein Wort höre und nicht danach handle, gleiche dem Dummkopf (ἀνδρὶ μωρῷ, //viro stulto//), der sein Haus auf Sand errichtet hat (Mt). Der kluge ›[[e:Egoismus]]‹ wird diese Sprache verstehen. Das Christentum aber führte die Idee des substantiell Bösen ein und ›verteufelte‹ den Egoismus: »es verdummte und verhäßlichte und vergiftete die Selbstsucht«, wie es Nietzsche in freilich interessierter Verklärung seines Herrenmenschen-Phantasmas formuliert (...).
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-➫ [[a:Angst/Furcht]], [[a:Antisemitismus]], [[a:Apologetik]],  [[a:Aufklärung]],  [[c:Chauvinismus]],  [[d:Dialektik]],  [[d:Dogmatismus]], [[d:Dummheit in der Musik]],  [[e:Entfremdung]],  [[e:Enttäuschung]],  [[g:Gefühle, Emotionen|Gefühle/Emotionen]], [[g:Gewalt]],  [[g:Gewohnheit]],  [[g:Glück]],  [[h:Haltung]],  [[h:Hegemonie]],  [[i:Ideologe]], [[i:Intellektuelle]],  [[i:Intelligenz]],  [[i:Irrationalismus]],  [[i:Irrtum]],  [[k:Krise des Marxismus]],  <!--[-->[[k:Kulturindustrie]]<!--]-->,  Lachen,  <!--[-->[[l:Lorianismus|Loria]]<!--]-->nismus,  <!--[-->[[l:Lüge|Lüge]]<!--]-->,  <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->, <!--[-->[[m:Manipulation|Manipulation]]<!--]-->,  Moral,  Phrasen,  Plebejisches,  Staat,  Tuismus, Vulgärökonomie,  Weisheit,  Witz,  Zitate +➫ [[a:Angst/Furcht]], [[a:Antisemitismus]], [[a:Apologetik]],  [[a:Aufklärung]],  [[c:Chauvinismus]],  [[d:Dialektik]],  [[d:Dogmatismus]], [[d:Dummheit in der Musik]],  [[e:Entfremdung]],  [[e:Enttäuschung]],  [[g:Gefühle, Emotionen|Gefühle/Emotionen]], [[g:Gewalt]],  [[g:Gewohnheit]],  [[g:Glück]],  [[h:Haltung]],  [[h:Hegemonie]],  [[i:Ideologe]], [[i:Intellektuelle]],  [[i:Intelligenz]],  [[i:Irrationalismus]],  [[i:Irrtum]],  [[k:Krise des Marxismus]],  <!--[-->[[k:Kulturindustrie]]<!--]-->,  [[l:Lachen]], [[l:Lorianismus]],  <!--[-->[[l:Lüge|Lüge]]<!--]-->,  <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->, <!--[-->[[m:Manipulation|Manipulation]]<!--]-->,  Moral,  Phrasen,  Plebejisches,  Staat,  Tuismus, Vulgärökonomie,  Weisheit,  Witz,  Zitate 
    
  
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