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d:disziplin [2015/05/07 19:34]
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-Aus dem Lateinischen (//discere,// lernen) – [[e:Erziehung]], [[b:Bildung]], Lehre, Zucht, auch Lehrfach. Zedlers Lexikon von 1734 (Bd. 7) schreibt dem Wort D die Doppelbedeutung zu, einerseits arbeitsteilige Spezialfächer des Wissens zu bezeichnen, andererseits »überhaupt eine Anweisung sowohl zur Erkenntniß derer Sachen als guten Sitten. So ist z.E. Disciplina Ecclesiastica in der Catholischen Kirche eine Art Geisseln [...], womit sich [...] diejenigen bis aufs Blut auf den nackenden Rücken peitschen, denen wegen gewisse Sünden eine grosse Busse auferlegt worden, oder welche ein grosses Verdienst der Heiligkeit zu erwerben gedencken. Krieges-Disziplin ist die Zucht, so die Officirer unter den Soldaten halten sollen.« Der Große Duden von 1977 verdeckt die herrschaftliche Seite der militärischen [[g:Gewalt]]ordnung, indem er D im Sinne äußerer Zucht als eine Ordnung faßt, der sich jemand in einer »[[g:Gemeinschaft]]« unterwirft, und dafür Armee und Schule als Beispiele nennt; als innere Zucht definiert er D durch die besonderen [[l:Leistung|Leistungen]], zu denen jemand durch Beherrschtheit, Selbstzucht befähigt werde (Bd. 2). Hier tauchen Bedeutungen auf, die in der Antike in Begriffen wie αρετή bzw. //virtus// (beides wörtlich »<!--[-->[[m:Männlichkeit|Männlichkeit]]<!--]-->«, gewöhnlich als »Tugend« übersetzt) und ἄσκησις (griech. für Übung, nicht mit der christlich bestimmten späteren Bedeutung von »Askese« zu verwechseln) artikuliert worden sind: sie bezeichnen die D der Herrschenden und lassen sich als [[h:herrschaft|Herrschafts-D]] begreifen. Jedoch verweist [[h:Handlungsfähigkeit]] unter allen Umständen und für alle geschichtlichen Akteurstypen auf entsprechende spezifische [[h:haltung|Haltungen]] und ihren Erwerb. +Aus dem Lateinischen (//discere,// lernen) – [[e:Erziehung]], [[b:Bildung]], Lehre, Zucht, auch Lehrfach. Zedlers Lexikon von 1734 (Bd. 7) schreibt dem Wort D die Doppelbedeutung zu, einerseits arbeitsteilige Spezialfächer des Wissens zu bezeichnen, andererseits »überhaupt eine Anweisung sowohl zur Erkenntniß derer Sachen als guten Sitten. So ist z.E. Disciplina Ecclesiastica in der Catholischen Kirche eine Art Geisseln [...], womit sich [...] diejenigen bis aufs Blut auf den nackenden Rücken peitschen, denen wegen gewisse Sünden eine grosse Busse auferlegt worden, oder welche ein grosses Verdienst der Heiligkeit zu erwerben gedencken. Krieges-Disziplin ist die Zucht, so die Officirer unter den Soldaten halten sollen.« Der Große Duden von 1977 verdeckt die herrschaftliche Seite der militärischen [[g:Gewalt]]ordnung, indem er D im Sinne äußerer Zucht als eine Ordnung faßt, der sich jemand in einer »[[g:Gemeinschaft]]« unterwirft, und dafür Armee und Schule als Beispiele nennt; als innere Zucht definiert er D durch die besonderen [[l:Leistung|Leistungen]], zu denen jemand durch Beherrschtheit, Selbstzucht befähigt werde (Bd. 2). Hier tauchen Bedeutungen auf, die in der Antike in Begriffen wie αρετή bzw. //virtus// (beides wörtlich »<!--[-->[[m:Männlichkeit|Männlichkeit]]<!--]-->«, gewöhnlich als »Tugend« übersetzt) und ἄσκησις (griech. für Übung, nicht mit der christlich bestimmten späteren Bedeutung von »Askese« zu verwechseln) artikuliert worden sind: sie bezeichnen die D der Herrschenden und lassen sich als [[h:herrschaft|Herrschafts]]-D begreifen. Jedoch verweist [[h:Handlungsfähigkeit]] unter allen Umständen und für alle geschichtlichen Akteurstypen auf entsprechende spezifische [[h:haltung|Haltungen]] und ihren Erwerb. 
    
  
 
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