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d:diskurstheorie [2012/10/24 23:03]
christian
d:diskurstheorie [2015/03/26 23:07] (aktuell)
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-Unter DT werden im folgenden alle jene seit den 1960er Jahren aufgetretenen Denkrichtungen zusammengefaßt, die Materialität und Machteffekte (einschließlich der Machteffekte durch Subjektformierung) historisch spezifischer Aussageformationen behandeln, insbesondere also auch die Spielarten von »[[d:Diskursanalyse]]«. Um terminologische Verwirrung zu vermeiden, ist zunächst darauf hinzuweisen, daß sowohl die (teils psychoanalytische, teils linguistische) »Gesprächsanalyse« (//discourse analysis//) wie der »Diskurs« im Sinne von Habermas andere Sachverhalte meinen und hier außer Betracht bleiben. [...] Demgegenüber hat der im folgenden relevante Diskursbegriff seinen spezifischen Akzent durch Anlehnung an eine erzähltheoretische Debatte in Frankreich (Benveniste, Todorov) gewonnen, in der die sozusagen ›nackten‹ Erzählinhalte (»histoire«, »Geschichte«) ihrer konkreten, insbesondere subjektiv perspektivierten Äußerung (»discours«) gegenübergestellt wurden. Im Anklang daran sowie an die angelsächsische Sprechakttheorie stellte Michel Foucault die »Wörter« den »Dingen« gegenüber, bzw. die »Diskurse« (als spezifische Aussageformationen) ihren »Gegenständen«. Dabei lag der Akzent auf der formierenden, konstituierenden Kraft der Diskurse. Foucault betonte den radikalen Bruch mit subjektpragmatischen, besonders auch optischen Modellen (»Widerspiegelung«) von [[e:Erkenntnis]]: Die [[g:Gegenstand|Gegenstände]] seien nicht etwa prädiskursiv vorhanden und würden dann lediglich durch einen Diskurs (aufgefaßt als ›Sicht eines Subjekts‹) mehr oder weniger verzerrt wahrgenommen; vielmehr müsse der Diskurs im strikten Sinne als materielles Produktionsinstrument aufgefaßt werden, mit dem auf geregelte Weise (soziale) Gegenstände (wie z.B. »Wahnsinn«, »Sex«, »Normalität« usw.) wie auch die ihnen entsprechenden Subjektivitäten produziert werden.+Unter DT werden im folgenden alle jene seit den 1960er Jahren aufgetretenen Denkrichtungen zusammengefaßt, die Materialität und <!--[-->[[m:Macht|Macht]]<!--]-->effekte (einschließlich der Machteffekte durch Subjektformierung) historisch spezifischer Aussageformationen behandeln, insbesondere also auch die Spielarten von »[[d:Diskursanalyse]]«. Um terminologische Verwirrung zu vermeiden, ist zunächst darauf hinzuweisen, daß sowohl die (teils psychoanalytische, teils linguistische) »Gesprächsanalyse« (//discourse analysis//) wie der »Diskurs« im Sinne von Habermas andere Sachverhalte meinen und hier außer Betracht bleiben. [...] Demgegenüber hat der im folgenden relevante Diskursbegriff seinen spezifischen Akzent durch Anlehnung an eine erzähltheoretische Debatte in Frankreich (Benveniste, Todorov) gewonnen, in der die sozusagen ›nackten‹ Erzählinhalte (»histoire«, »Geschichte«) ihrer konkreten, insbesondere subjektiv perspektivierten Äußerung (»discours«) gegenübergestellt wurden. Im Anklang daran sowie an die angelsächsische Sprechakttheorie stellte Michel Foucault die »Wörter« den »Dingen« gegenüber, bzw. die »Diskurse« (als spezifische Aussageformationen) ihren »Gegenständen«. Dabei lag der Akzent auf der formierenden, konstituierenden Kraft der Diskurse. Foucault betonte den radikalen Bruch mit subjektpragmatischen, besonders auch optischen Modellen (»Widerspiegelung«) von [[e:Erkenntnis]]: Die [[g:Gegenstand|Gegenstände]] seien nicht etwa prädiskursiv vorhanden und würden dann lediglich durch einen Diskurs (aufgefaßt als ›Sicht eines Subjekts‹) mehr oder weniger verzerrt wahrgenommen; vielmehr müsse der Diskurs im strikten Sinne als materielles Produktionsinstrument aufgefaßt werden, mit dem auf geregelte Weise (soziale) Gegenstände (wie z.B. »Wahnsinn«, »Sex«, »Normalität« usw.) wie auch die ihnen entsprechenden Subjektivitäten produziert werden.
  
 Mit Marx wären also zunächst einmal folgende Fragen an Foucault zu stellen: Wie ist die Konkurrenz des Diskursbegriffs zu dem der [[i:Ideologietheorie|Ideologie]] (den Foucault mehrfach kritisiert hat) aufzufassen? Und: Behauptet die DT etwa die diskursive Herstellung der Gegenstände auf idealistische Weise?  Mit Marx wären also zunächst einmal folgende Fragen an Foucault zu stellen: Wie ist die Konkurrenz des Diskursbegriffs zu dem der [[i:Ideologietheorie|Ideologie]] (den Foucault mehrfach kritisiert hat) aufzufassen? Und: Behauptet die DT etwa die diskursive Herstellung der Gegenstände auf idealistische Weise? 
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d/diskurstheorie.1351112597.txt.gz · Zuletzt geändert: 2012/10/24 23:03 von christian     Nach oben
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