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Zuletzt aktualisiert / Last update 20. Juli 2011 Die Seiten des Archivs werden z. Z. erstellt. Wir bitten um Hilfe beim Einscannen der früheren Jahrgänge. Kontakt:
Peter Bescherer peterbescherer[at]googlemail.com
1. Register 2. Zum Argument-Projekt 3. Nachrichten aus dem Patriarchat 4. Andere übers Argument ( Presse-Echos) 5. Konflikte ums Argument 6. Frühere Jahrgänge zum Herunterladen (im Aufbau) 1. Register Gesamtregister 1959 bis 2010 (Artikel) Rezensionsregister
2000 bis 2010 Beiträge
zu Öko-Themen 1959 bis 2001 Volker Braun im Argument 1980 bis Febr 2010 (HTM) 2. Zum Argument-Projekt Rede auf der Frankfurter Buchmesse 2009 (Wolfgang Fritz Haug [WFH) Stirb und werde - 40 Jahre Argument (WFH, 1999) Zwanzig
Jahre Frauenredaktion (Frigga
Haug [FH],1992) Das Argument ist mehr als eine Zeitschrift (FH, 1988) Dreißig
Jahre Das Argument (WFH, 1988) Helmut
Gollwitzer zu Dreißig Jahre Das Argument (1988) Phönix
aus der Asche: Das neue Argument Wozu
brauchen wir Frauen Das Argument? (Autonome Frauenredaktion, 1982)
Zwanzig Jahre Argument - Musikwerkstatt (3. Mai 1979) Zwanzig
Jahre - die Argument-Konzeption (WFH, 1978) Wolfgang
Abendroth zum hundersten Argument (1977) Die
dunklen Mächte im Hintergrund - Die
ersten zehn Jahre im Spiegel der Editorials (WFH, 1959-1968)
3. Nachrichten aus dem Patriarchat Das große
I, erste Glosse (FH, 1996) Das
große I, zweite Glosse (FH, 2004)
4. Andere übers Argument ( Presse-Echos) Zu 50 Jahre Argument, 2009: Stefan Howald Forum Wissenschaft H. 4/2009 zu 50 Jahre Argument, 2009 José A. Zamora Constelaciones - Revista de teoría crítica (spanisch) Stefan
Howald Die Wochenzeitung
(WOZ)
, Zürich 2009
Michael
Jäger im Freitag, 2009 Hans
Martin Lohmann, in der ZEIT, 2009 Helmut
Hoege, TAZ, 2009 * * * Giaco Schiesser, Die Wochenzeitung (WOZ), Zürich 1989, 30 Jahre Argument Wieland Elfferding, 1988
5. Konflikte ums Argument Anführungs-Zeichen
in PROKLA (WFH, 1975) Manfred Buhr, Erich Wulff und Helmut Ridder "Abstinenzhaltung zum Marxismus-Leninismus" = "intellektuelles Lumpenproletariat" (Robert Steigerwald 1984)
(wird fortgesetzt) |
6. Frühere Jahrgänge zum Herunterladen (im Aufbau) Alle Hefte ab Nr. 22 der ersten 20 Argument-Jahrgänge 1959-1979 sind dank Peter Bescherer, Jost Ulshöfer und Dieter Strehle sowie mit Förderung der Rosa-Luxemburg-Stiftung inzwischen eingescannt und zum freien Herunterladen verfügbar. Vorerst online zugänglich sind: Heft 271/2007 Zu Politik und Theorie einer neuen Linken Heft 268/2006 Großer Widerspruch China […] Heft 127 (1980) Politik gegen den Krieg Heft 126 (1980) Subjektivität, Lebensläufe (II) Heft 125 (1980) Gewerkschaftliche Politik/Wissenschaft Heft 124 (1980) Materialistische Politiktheorie Heft 123 (1980) Subjektivität, Lebensläufe Heft 122 (1980) Ideologie-Theorie: Diskussion Heft 121 (1980) Westeuropäische Linke und "dritter Weg" | Faschismus und Ideologie (II) Heft 120 (1980) Dritte Welt und Erste Welt (III) […] Heft 118 (1979) Umwelt-Politik (II) Heft 117 (1979) Faschismus und Ideologie Heft 116 (1979) Dritte Welt und Erste Welt (II) Heft 115 (1979) Klassen/Kultur/Politik Heft 114 (1979) Dritte Welt und Erste Welt Heft 113 (1979) Spontaneität und Ideologie Heft 112 (1978) Krise/Gewerkschaftliche Politik/Wissenschaft | Bürgerproteste und Herrschaft Heft 111 (1978) Methodenprobleme der Sozialwissenschaften | Psychiatrie und Herrschaft […] Heft 109 (1978) Gewerkschafts-Diskussion (II) | Hochschulpolitik und Rechtsentwicklung Heft 108 (1978) Sozialismus-Diskussion (V) Heft 107 (1978) Gewerkschafts-Diskussion (I) Heft 106 (1977) Staat und Ideologie Heft 105 (1977) Sozialismus-Diskussion (IV) Heft 104 (1977) Staat und Krise Heft 103 (1977) Marxismus und Einzelwissenschaft | Ideologie-Diskussion Heft 102 (1977) Sozialismus-Diskussion (III) Heft 101 (1977) Beiträge zur materialistischen Soziologie Heft 100 (1977) Ideologischer Klassenkampf | Sozialismus-Diskussion (II) […] Heft 95 (1976) Sprachtheorie und Sprachunterricht Heft 94 (1975) Antworten auf Althusser Heft 93 (1975) Umwelt. Zum Verhältnis von Gesellschaft und Natur Heft 92 (1975) Widerspiegelungsdiskussion: Praxis / Streitfragen materialistischer Dialektik (V) […] Heft 90 (1975) Widerspiegelungsdiskussion: Literatur- und Kunsttheorie / Streitfragen materialistischer Dialektik (IV) Heft 89 (1975) Konservative Gehalte der Anti-Psychiatrie / Argumente für eine soziale Medizin (VI) Heft 88 (1974) Naturwissenschaftliche Erkenntnis und gesellschaftliche Interessen (I) Heft 87 (1974) Faschismus: Entstehung/Verhinderung Faschismustheorien (VII) Heft 86 (1974) Klassenkämpfe in der BRD / Die Arbeiterklasse im Spätkapitalismus (IV) Heft 85 (1974) Widerspiegelungs-Diskussion / Streitfragen materialistischer Dialektik (III) Heft 84 (1974) Zum Verhältnis von Logischem und Historischem […] Heft 82 (1974) Beiträge zu Theorie und Praxis des Sozialismus Heft 81 (1973) Widerspiegelungs-Diskussion Streitfragen materialistischer Dialektik (I) […] Heft 76 (1972) Entwicklungstendenzen der politischen Ökonomie in der DDR […] Heft 74 (1972) Fragen der marxistischen Theorie (IV) […] Heft 69 (1971) Lohnarbeit und Medizin - Kritik der bürgerlichen Medizin (II) Heft 68 (1971) Ausländerbeschäftigung und Imperialismus. Die Arbeiterklasse im Spätkapitalismus (III) Heft 67 (1971) Emanzipation der Frau - Sexualität und Herrschaft (VI) Heft 66 (1971) Wissenschaft als Politik (III) Heft 65 (1971) Fragen der marxistischen Theorie (III) Heft 64 (1971) Probleme der Ästhetik (III) Heft 63 (1971) Geschichte und Geschichtsschreibung der deutschen Arbeiterbewegung (I) Heft 62 (1970) Klassenstruktur und Klassenbewußtsein. Die Arbeiterklasse im Spätkapitalismus (II) Heft 61 (1970) Klassenstruktur und Klassenbewußtsein. Die Arbeiterklasse im Spätkapitalismus (I)Heft 60 (1970) Heft 59 (1970) Afrika zwischen Imperialismus und Sozialismus. Probleme der Entwicklungsländer (VI) Heft 58 (1970) Faschismus-Theorien (VI) / Diskussion Heft 57 (1970) Sexualität und Herrschaft in der Schule. Sexualität und Herrschaft (V) Heft 56 (1969) Register l-XI (1959-1969) Heft 55 (1969) Vom Bildungsbürgertum zur Funktionselite. Schule und Erziehung (IV) Heft 53 (1969) Zur Politischen Ökonomie des gegenwärtigen Imperialismus. Probleme der Entwicklungsländer (V) Heft 52 (1969) Entfremdung und Geschichte. Fragen der marxistischen Theorie (II) Heft 51 (1969) Zur Politischen Ökonomie des gegenwärtigen Imperialismus. Probleme der Entwicklungsländer (IV) Heft 50 (1969) Kritik der bürgerlichen Sozialwissenschaften (Sonderband) Heft 49 (1968) Kritik der bürgerlichen Germanistik / Wissenschaft als Politik (II) Heft 48 (1968) Kalter krieg und Neofaschismus in der Bundesrepublik Heft 47 (1968) Faschismus und Kapitalismus / Faschismus-Theorien (V) - Diskussion Heft 46 (1968) Brecht/Lukács/Benjamin / Fragen der marxistischen Theorie (I) Heft 45 (1967) Dritte Welt und Opposition im Spätkapitalismus Heft 44 (1967) Städtebau im Kapitalismus Heft 43 (1967) Wissenschaft als Politik (I) Heft 42 (1967) Auschwitz, Vietnam und kein Ende Heft 41 (1966) Staat und Gesellschaft im Faschismus / Faschismus-Theorien (IV) Heft 40 (1966) Politische Bildung / Schule und Erziehung (III) (folgt) Heft 39 (1966) Wirtschaftsmodelle im Sozialismus Heft 38 (1966) Probleme der Entwicklungsländer (III) Heft 37 (1966) Theorien der Vergeblichkeit Heft 36 (1966) Die Amerikaner in Vietnam / Probleme der Entwicklungsländer (II) Heft 35 (1965) Sexualität und Herrschaft (IV) Heft 34 (1965) Probleme der Entwicklungsländer (I) Heft 33 ( 1965) Faschismus-Theorien (III) Heft 32 ( 1965) Faschismus-Theorien (II) Heft 31 (1964) Schule und Erziehung (II) Heft 30 (1964) Faschismus-Theorien (I) Heft 29 (1964) Schule und Erziehung (I) Heft 28 (1964) Probleme der Ästhetik (II) Heft 27 (Nov. 1963) Massenmedien und Manipulation (II) Heft 26 (Juli 1963) Probleme der Ästhetik (I) Heft 25 (Mai/Juni 1963) Massenmedien und Manipulation (I) Heft 24 (Januar 1963) Sexualität und Herrschaft (III) / Tendenzen im spanischen Faschismus Heft 23 (1962) Emanzipation der Frau / Sexualität und Herrschaft (II) Heft 22 (Juli/Aug. 1962) Emanzipation der Frau / Sexualität und Herrschaft (I) Heft 21 (folgt) Heft 20 (folgt) Heft 19 (folgt) Heft 18 (Februar 1961) Die atomare Situation (II) Heft 17 (Oktober 1960) Die atomare Situation (I) Heft 16 (1960) Überwindung des Antisemitismus Heft 15/1960 Krieg in Algerien
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![]() Zentraler Ausschuss gegen den Atomtod (Berlin/W 1960); von links nach rechts: Dr. Erich Müller-Gangloff (Leiter der Evangelischen Akademie, Berlin/W), Prof. Schaaf (Physiker), Prof. Wilhelm Weischedel (Philosoph), Prof. Helmut Gollwitzer (Theologe), Wolfgang Fritz Haug (stud.phil., Sekretär des Ausschusses), Dr. Margherita von Brentano (wissenschaftliche Assistentin) |
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![]() Argument-Redaktion 1964. Von links nach rechts: Bernhard Blanke, Reimut Reiche, Jürgen Werth, W.F.Haug |
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Helmut Gollwitzer Über Entwicklung und Aufgaben der Zeitschrift "Argument" (1975)*Es wird jetzt möglich, den Werdegang einer Erkenntnis zu verfolgen. Die Neudrucke der ersten Jahrgänge von "Argument" dokumentieren ihn. Die Beteiligten selbst werden beim Wiederlesen Entdeckungen von Vergessenem oder Verdrängtem machen; Historiker der nun schon historisch gewordenen Studentenrevolte finden hier die gewichtigsten Zeugnisse ihrer Vorgeschichte in Deutschland, ihre ersten, vorgreifenden Artikulationen. Aber wichtiger noch als dieser historische Aspekt ist der aktuelle: Welches von den Themen, denen diese Hefte gewidmet sind, können wir als erledigt abhaken? Und welche von den Positionen, die in diesen Heften zu den einzelnen Themen vertreten worden sind, ist durch die Entwicklung dieser anderthalb Jahrzehnte widerlegt worden? Atomrüstung, deutschpolnisches Verhältnis, Algerienkrieg, Berlinfrage, Portugal man lege etwa den entsprechenden Jahrgang der FAZ daneben und vergleiche: Wer war hier weitsichtiger? Wer zugleich Anwalt der Freiheit, der Demokratie, der Humanität? Wo klaffen Anspruch (auf den dahinter befindlichen klugen Kopf wie auf freiheitliche Demokratie) und Inhalt mehr auseinander? Wo bestätigt die inzwischen abgelaufene Entwicklung mehr den Anspruch auf realistische Sicht der Dinge? Dabei kommt freilich heraus, was eher "realistisch" zu nennen ist: die Borniertheit des augenblicklichen Interesses und seiner Verteidigung oder das Interesse an der Gewinnung der Zukunft, das Gespür für deren Forderungen und Gefährdungen, die Entschlossenheit, diese Zukunft nicht durch jene Borniertheit sich zerstören zu lassen. Darum waren es nicht zufällig vornehmlich junge Leute, die diese Zeitschrift begannen und trugen und sich um sie sammelten. Sie sahen sich genötigt, ihr eigenstes Interesse, ihre Zukunft, zu verteidigen gegen diejenigen, die im Kleben am Gegenwartsinteresse die Zukunft ständig ignorierten und aufs Spiel setzten. Dabei wurde wieder einmal eine alte Erfahrung gemacht: In der Doppelverwendung des Prädikats "realistisch", im Streit um das, was wahrhaft "realistische Politik" genannt zu werden verdient, stellt sich heraus, daß die Fixierung auf das gegenwärtige Interesse, auf die Verteidigung der Privilegien des status quo koindiziert mit der Amoralität in der Politik, die dann mit dem Prädikat "realistisch" beschönigt und entschuldigt wird, und daß das Interesse an der Zukunft, die langfristige Vorausschau, koindiziert mit der moralischen Forderung an die Politik, mit der Forderung einer Politik für die gegenwärtig Leidenden, Unterdrückten und Geopferten, für die immer noch ausstehende durchgreifende Humanisierung der Gesellschaft. Wer beim Wiederlesen entdeckt, in welch großem Maße damals moralisch argumentiert, entlarvt und gescholten wird, der täte sehr Unrecht, sich dessen zu schämen und dies zu kritisieren als eine überholte Phase. Die moralische Empörung und die moralische Forde- 'rung, die am Anfang standen, sind nichts überholbares. Sie müssen durchgehalten werden; sie sind nicht zu verlierende Kriterien der Politik, auch das selbstkritische Korrektiv gegen Entartungsmöglichkeiten im Sozialismus, gegen das Entschwinden des humanen Motivs und des humanen Zieles in den Tagesnotwendigkeiten und Tagesverführungen des sozialistischen Aufbaus. Was damals ungenügend war, war nicht die Moralität, sondern ihre Beschränktheit, das Fehlen weiterer Erkenntnisse, die erst noch gewonnen werden mußten und die gerade aufgrund ernstgenommener Moralität gewonnen wurden. Zur moralischen Forderung mußte die Analyse treten, die Analyse derjenigen Interessen, die hinter der Verteidigung des gesellschaftlichen status quo stehen, die Analyse der Gründe für die Kurzsichtigkeit dieser Verteidiger und der ideologischen Verbrämungen, durch die der status quo als verteidigungswert erscheint und deren Eigenmacht in den Köpfen den verteidigten Interessen solche weite Bundesgenossenschaft bei den Massen sichert. Für gesellschaftskritische Analyse bot der Betrieb an den Universitäten wenig Rüstzeug. Geisteswissenschaftliche wie naturwissenschaftliche Fakultäten waren blank davon, und die Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften erwiesen sich als angefüllt von Apologetik des Bestehenden. Wenn dieser Zustand dann von denen, die sich auf die Suche nach besserer Ausrüstung begaben, mit dem als Verdikt gemeinten Titel „"bürgerliche Wissenschaft" belegt wurde, dann kam das nicht aus einem manichäischen Vorurteil, das allem, was aus dem Bürgertum kommt, jeglichen Erkenntniswert abspricht und nur gelten läßt, was proletarische Situation lehrt, sondern aus der realen Erfahrung der Grenzen und der heimlichen Interessengelenktheit eines Wissenschaftsbetriebes, in dem die Frage nach jenem Rüstzeug ohne Antwort blieb und in dem beharrlich verweigert wurde, die Möglichkeit des Rechtes der Zukunftsalternative von Sozialismus oder Barbarei auch nur zu bedenken. Gerade vor diese
Alternative aber sah sich der nach seiner Zukunft und nach der Zukunft
der Menschheit fragende wache Teil der jüngeren Generation immer
entschiedener gestellt. Im Unterschied zu dem aufs Gegenwärtige und
aufs lokal Präsente beschränkten Horizont der Älteren,
ihrer Politiker und ihrer Presse ging der Blick dieser Jüngeren über
ihre wirtschaftlich prosperierende, euphemistisch "Wohlstandsgesellschaft"
genannte Umgebung hinaus auf die Weltzustände, auf das Elend und
die Befreiungsbewegungen der sog. "dritten Welt", auf den Kolonialismus
und die Heuchelei der Entkolonialisierung, auf die Repression der westlichen
weißen Industriegesellschaft über die übrige Menschheit,
als deren Mitprofitierende und Mitverantwortliche sich diese Jüngeren
erkennen mußten. Johan Galtung schrieb einmal (Kapitalistische
Großmacht Europa oder die Gemeinschaft der Konzerne?, Reinbek
1973, S. 200, Anm. 22), in seiner norwegischen Heimat bleibe der Blick
der Älteren an den nationalen Problemen haften, der Blick der mittleren
Generation weite sich allmählich auf Europa, der Blick der Jungen
richte sich auf die Probleme der Welt. In der Bundesrepublik war es nicht
anders. Nach den Protesten gegen die Atomrüstung, die 1959 in einem
studentischen Kongreß in Berlin zum letzten Mal nach dem Verrat
der Parteien an der Anti-Atombewegung ihren Ausdruck fanden und in dieser
Zeitschrift fortgesetzt wurden, gab 1961 eine Ausstellung in der Freien
Universität Berlin, die dem algerischen Aufstand und den Foltermethoden
der französischen Kolonialisten gewidmet war, den nächsten Anlaß
zum Konflikt mit den auf die gegenwärtigen Interessen fixierten staatlichen
und universitären Behörden. Dann alarmierte der Vietnam-Krieg.
Weil für ihn aber die amerikanische Politik, die Politik der Vormacht
des Westens die Hauptverantwortung trug, zerbrach das Bild der USA als
der Schutzmacht von Freiheit und Fortschritt, das die ältere Generation
bei uns seit 1945 gehegt hatte; der moralische Protest mußte einmünden
in die Analyse der amerikanischen Gesellschaft, die die Absurdität
und Bestialität dieses Krieges möglich machte. Die amerikanische
Protestbewegung als Ausdruck beginnender Erkenntnis der Wirklichkeit dieser
Gesellschaft zündete weltweit, und was die USA betraf, wurde rasch
als gültig auch für unsere Gesellschaft erkannt. Kapitalismus
ein von der bürgerlichen Wissenschaft schon für obsolet erklärter
Titel erwies sich als zutreffende Bezeichnung für die Bewegungskräfte
dieser Gesellschaft, für die wahren Interessen, die hier verteidigt
wurden, für die Hauptursachen des bedrohlichen Weltzustandes. Vom
Kapitalismus schienen aber merkwürdigerweise seine Akteure und Apologeten
weniger zu wissen als diejenigen, die sich gegen ihn wehrten oder mit
ihm gebrochen hatten. Wurde Kapitalismuskritik zum Erkenntnisgebot, so
zeigte sich dafür allein eine Kapitalismus-Analyse als brauchbar,
die praktisch und theoretisch vom Standpunkt einer von der Herrschaft
der Privatinteressen befreiten Gesellschaft aus unternommen wird, also
die marxistische, und im Vergleich mit anderen etwa der vor kapitalistisch-konservativen
und der von einigen anderen (Silvio Gesell, Rudolf Steiner usw.) entworfenen,
diese an Genauigkeit und Realitätssinn überbietend sie allein.
Das bürgerliche Denken hatte sie, was jetzt ebenfalls analytisch
verständlich wurde, nie aufgenommen; die aggressivsten Agenten der
bürgerlichen Machtsicherung, Hitler und die Seinen, haben sie aus
dem öffentlichen Bewußtsein ausgerottet, und ihre heutigen
Fortsetzer sind eifrig dabei, diesen Zustand der Bewußtlosigkeit
zu erhalten. Gerade die marxistische Analyse aber wurde zum unentbehrlichen
und sich bewährenden Mittel zur Erkenntnis der wirklichen Strukturen
und Prozesse unserer Gesellschaft. Als diese in den Veröffentlichungen
des SDS, damit auch in dieser Zeitschrift, als Klassengesellschaft, als
Gesellschaft der Herrschenden denunziert wurde, entgegen dem geglaubten
Schein von demokratischer Gleichberechtigung, von Volkssouveränität
und Sozialpartnerschaft, wirkte das schockierend, und der Schock war für
die einen abstoßend, für die anderen erkenntnisfördernd.
Manche Autoren, die in diesem Reprint noch zu finden sind, wandten sich
ab. Sie fürchteten, unkritisch gegen eigene Ideologien, neue Ideologisierung,
nun marxistische, wo doch neue Erkenntnis sich durchsetzte. Freilich kann
wie alles, was in den Köpfen ist, so auch Erkenntnis ideologisiert,
d. h. in den Dienst der Verhinderung kritischer Prozesse um der Erhaltung
gegenwärtiger Machtstrukturen willen gestellt werden, wie auch die
schwierige bisherige Geschichte des Sozialismus beweist. Aber Erkenntnis
bleibt auch bei solcher Ideologisierung immer noch Erkenntnis, und ihre
Befreiung von Ideologisierung, also von der Indienstnahme durch partikulare
Interessen, ist ständige Aufgabe sozialistischer Selbstkritik, wie
sie auch in dieser Zeitschrift geleistet wird. Dabei kann für eine solche Zeitschrift, die getragen wird von Intellektuellen, die aus dem Bürgertum kommen, und die im westlichen Milieu erscheint, der westliche Kapitalismus nicht der einzige Gegenstand sein. Sie muß diejenigen Länder, die schon aus dem kapitalistischen System ausgebrochen sind und den Aufbau einer sozialistischen Ordnung in Angriff genommen haben, ebenso in den Blick nehmen. Die Frage nach dem wahrhaft sozialistischen Charakter dieser Gesellschaften und nach den Zukunftschancen des Sozialismus in ihnen ist aber eine offene, ja tief spaltende Streitfrage unter Marxisten. Gegen den manichäischen Antikommunismus der bürgerlichen Gesellschaft diesen Ländern gerecht zu werden und mit ihren sozialistischen Intentionen sich zu solidarisieren und zugleich marxistische Kritik auf alle sozialistischen Realisierungen nicht weniger als auf den Kapitalismus anzuwenden, weil allein dadurch sozialistischer Aufbau die immer drohenden Verkrustungen und Ideologisierungen durchbrechen kann, das ist die schwierige Aufgabe einer der marxistischen Diskussion gewidmeten Zeitschrift, die oft genug zur Zerreißprobe werden kann. Mir scheint, „"Argument" hat bisher diese Erprobung einigermaßen bestanden, und um der Sache willen können wir nur wünschen, daß die für die Zeitschrift Verantwortlichen, denen unser Dank für ihre große Leistung gebührt, sich solcher Erprobung auch weiterhin aussetzen. Neben den inneren Gefahren, die dabei bestanden werden müssen, werden die äußeren Gefahren in einer Zeit der zunehmenden Freiheitseinschränkung in der von ihren Konflikten zunehmend bedrängten bürgerlichen Gesellschaft nicht geringer werden. Die damaligen Leitsätze der Zeitschrift (zum ersten Male in diesem Bande, AS 1/2, S. 89) haben auf dem geschilderten Wege von Protesten gegen einzelne Erscheinungen dieser Gesellschaft zu einer Fundamentalanalyse geführt und zur radikalen Infragestellung dieser Gesellschaft wegen ihrer Inhumanität und ihrer Versperrung einer menschenwürdigen Zukunft. Das wird nicht ohne Antwort bleiben von seiten der Interessierten, die sich dadurch bedroht fühlen. Der Zustand bekommt einen paradoxen Anschein: Die Erhaltung der Errungenschaften der bürgerlichen Revolutionen, ihrer "freiheitlich-demokratischen Grundordnung", wird zur Sache derer, die die bürgerliche Gesellschaft in Frage stellen, und die Vertreter dieser Gesellschaft sehen ihre Interessen mehr und mehr in Gegensatz zu den bürgerlichen Errungenschaften geraten und sich gedrängt, auf diese zu verzichten. Prophetisch lesen sich heute die Sätze in dem Spanien-Aufsatz des Jahrgangs 1961/62 von jenen sich demokratisch nennenden Politikern, denen "„die Weiterentwicklung der westdeutschen Demokratie so fern liegt wie der ihnen vom Grundgesetz aufgetragene Schutz der spärlichen Ansätze von Demokratie vor der antikommunistisch aufgeladenen Verteidigungsmonomanie, die mit totalitärem Anflug jene zu schützen vorgibt", und denen darum "„die spanische Lösung", "desto verlockender" war (S. 222f). Diese Gefahren mußte vorhersehen, wer sich auf den Weg, den diese Zeitschrift gegangen ist, eingelassen hat. Solange diese Zeitschrift erscheint, die wir noch lange brauchen, soll sie eine Hilfe sein, weder vor den inneren noch vor den äußeren Gefahren zu kapitulieren und auch der Versuchung zur Resignation, die schon in jenen ersten Leitsätzen erwähnt wird, zu widerstehen. Im politischen Kampf handelt es sich um die Realisierung gesellschaftlicher Erkenntnisse. Wer durch die Machtverhältnisse von solcher Realisierung ausgeschlossen ist, wer ohnmächtig zusehen muß, wie das heute dringend Nötige nicht geschieht, wie statt dessen die Kräfte der Destruktion mit ihren heutigen Opfern auch die Zukunft zu begraben drohen, der hat eine Situation zu bewältigen, die innerlich und äußerlich gleich schwierig ist. Was eine Zeitschrift dabei helfen kann, das möge "„Argument" tun. ______ * Zuerst erschienen als Nachwort in: Argument-Reprint Nr. 18-21, Argument-Sonderband 1/2, Karlsruhe 1975, 295-99. |
Programm der Zeitschrift (nach Marx) Ist die Konstruktion der Zukunft und das Fertigwerden Wir treten nicht der Welt doktrinär mit einem neuen Es wird sich endlich zeigen, Wir können also die Tendenz unseres Blattes in e i n Wort fassen: Erschien zum ersten Mal auf der Umschlaginnenseite von Argument 23, 4. Jahrgang 1962, H. 4. _________________________________________________________
Volker Braun
Der verantwortliche Herausgeber Ich begegnete einem Denker, der mich für den Mitarbeiterstab seiner Zeitschrift warb. Meinem Einwand, dass mich mein anderwärtiges Wohnland hindern würde, den Inhalt zu kontrollieren, hielt er entgegen: er selber nehme die Artikel oft erst nach Erscheinen zur Kenntnis. Mich verwunderte die Nachlässigkeit; wie war ich aber erstaunt, als der verantwortliche Mann seine Praxis verteidigte. Er gebe das Blatt doch heraus, weil er wisse, dass auch problematische Meinungen laut werden müssen. Wenn ein Körper resistent werden solle, müsse er mit kleinen Dosen infiziert werden: dann sei er gefeit gegen große Infektionen. Es sei eine machtpolitische Notwendigkeit, eine Diskussion zu haben. Widersprechen heiße auch: ein Geflecht bilden, das uns halte, das einen Zusammenhalt gebe. Ich versuchte es.
Aus: Das Argument 137, 25. Jg., 1983, H. 1, 4 _____________________________________________________________
Peter Glotz und Wolfgang Fritz Haug 1979 _______________________________________________________________
Das Argument-Konzept (1979) Die Veröffentlichungen beziehen sich v.a. auf folgende Bereiche: * Übergang zur elektronisch-automatischen Produktionsweise und Der Verlag fördert die Volksuniversität und das alternative Radio. Er kooperiert Die wissenschaftliche Taschenbuchreihe Argument-Sonderbände mit ihren Die einzelnen Projekte werden verbunden über die Zeitschrift Das Argument. Im Argument werden * politische und methodische Diskussionen ausgetragen; In der Reihe Argument-Studienhefte werden Materialien von und für Die Marxismus-Werkstatt arbeitet an einem Wörterbuchprojekt, das der |