Einladung
zur Mitarbeit
>Sport
als Popularkultur, ideologische Macht und
kapitalistisches Geschäft< (Argument 289, Doppelheft)
Seine
>gebieterische Macht< (Egon Erwin Kisch, 1928) wirkt im kleinsten und
erstreckt sich weltweit. Er ist eine ideologische Macht ersten Ranges, derer
sich der Staat bedient, und eine ökonomische, die >ungeheure Geldmengen ins
Rollen< bringt: Ausübungs- und Mitteilungsform, in der sich Herrschaft
bewahrt. Und Befreiungsverlangen bewährt – sofern Sport praktiziert wird als >Selbstzweck<
gegen Fremdbestimmung, als spielerischer Wettkampf, der in >Solidarität<
mündet – wie im Film Kuhle Wampe
(1931) gezeigt und beim internationalen feministischen Frauenfußball-Turnier in
Berlin 2010 projektiert. Als Profi(t)sport ist er zur
>Leitideologie< der neoliberalen Marktwirtschaft geworden, in deren Bann
sich die >Umdeutung< der Gesellschaft in ein Ensemble von >Wett- und
Ausscheidungskämpfen< vollzieht, das nurmehr >Sieger und Verlierer<
kennt (Wolfgang Engler).
Wünschenswert
sind Beiträge
Ø zur ideologietheoretischen Bestimmung und
historisch-analytischen Besichtigungen: Seit wann gibt es >Sport<, im
Unterschied zu anderen >Leibesübungen<, und wie hat sich das so genannte
im transnationalen, multimedialen Hightech-Kapitalismus verändert? Welches sind
die neuen Phänomene? (Fitness- und Wellnesskult;
Extremsport; popkultureller Szenesport als Betätigungsarten, die sich
komplementär und/oder kompensatorisch zu den veränderten Arbeitsanforderungen
verhalten?)
Ø zum
Suchtpotenzial des Sports bei Akteuren und Konsumenten: Doping ist konstitutiv
für den Leistungssport geworden; in den massenhaften
Selbstmobilisierungspraktiken hingegen ist der Sport selber das Doping zur
Einpassung in die Ausbeutungsverhältnisse oder zu deren Ausgleich;
Ø zur
- inzwischen zum Gemeinplatz gewordenen - These vom Sport als Religion(sersatz);
Ø zur
klassen- und kulturtheoretischen Reflexion des Schicksals der
Arbeitersportbewegungen;
Ø zu
>Sport und Geschlechterverhältnissen<: Bedeutung des Sports für den Abbau, die Verfestigung von männlichen
Geschlechterstereotypen bzw. geschlechtspezifischen Diskriminierungs- und Exklusionsprozessen gegenüber Frauen; Sport als höchst
widersprüchliche Praxis der Befreiung und Re-Disziplinierung und
–Sexualisierung des weiblichen Körpers.
Der
Band - der ursprünglich zum
(weiterhin bevorzugten) Thema Fußball angedacht war - soll den Sport als
^Kampfplatz^^ untersuchen, als Wirkungsfeld und -form für Herrschafts(re)produktion und
Befreiungshandeln. Verschiedene
Text-Genres sind möglich: theoretische Abhandlung, Bereichsanalysen (einzelner
Sportarten),Literatur- und Medienanalysen (etwa von Sportlerbiografien, Filmen
wie Das Wunder von Bern, Kick it like Beckham, Million Dollar Baby, Sportsendungen etc., Glossen, Geschichten, sowohl aus der Akteurs- als auch der
Konsumentenperspektive.
Themen
und Manuskript-Angebote bitte an: argument@inkrit.org
Redaktionschluss des
Heftes ist am 15. September 2010.